9.10.08

Verfassung

Im Jahr 2003 bekam der ehemalige französische Präsident Valery Giscard d'Estaing routinemäßig den Karlspreis der Stadt Aachen verliehen.
Anläßlich dieser Preisverleihung war damals in deutschen Städten dieses Plakat sehr oft zu sehen:
Als ich dieses Plakat das erste Mal sah, war ich fassungslos. "Das gibt's doch nicht", dachte ich, "daß die Institution, die Giscard den Karlspreis verleiht, sich öffentlich über eben diesen Giscard lustig macht". Freilich war Giscard schon damals nicht mehr der Jüngste und seine Verfassung war, wie aus dem Bild ersichtlich war, nicht mehr die beste. Aber sich deshalb über den alten Mann lustig machen?
Es hat einige Sekunden gedauert, ehe mir klar wurde, daß mit "seine Verfassung" die Verfassung Europas gemeint war, nicht jene Giscards.

Korruption

Irgendwo in Deutschland - und das habe ich aus sicherer Quelle - gibt es eine Gemeinde, in der "Korruption" nicht mehr ist als ein Wort. Diese Unbestechlichkeit finden Sie dort in allen Zweigen der Kommunalverwaltung, vom Bürgermeister bis hinab zum letzten Gemeindearbeiter. Noch nicht mal im Baureferat, kenne man so etwas wie Korruption. Dir ist natürlich klar, daß ich den Namen dieser Gemeinde streng geheimhalten muß, um einer Verleumdungsklage aller anderen Gemeinden zu entgehen.

8.10.08

Gleichschritt

Wenn du dir das nebenstehende Photo anschaust, wird dir wahrscheinlich zuerst gar nicht viel auffallen. Wenn du ein Kenner bist, wirst du erkennen, daß es sich um sowjetische Offiziere handelt, wenn du genau hinschaust, merkst du, daß die Armbewegungen nicht sonderlich synchron sind. Ach so, und jetzt fällt dir auch auf, daß eine Gruppe von nur drei Soldaten im Gleichschritt vielleicht etwas merkwürdig ist. Daß die drei Leute in dieser komischen Hampelmanngangart einherschreiten, fällt dir dagegen nicht auf, es sind schließlich Soldaten. Man kennt das.

Nun aber schau dir mal das ganze Bild an. Sieben Herren im Gleichschritt, drei davon Zivilisten. Auch sie sind ziemlich uniform gekleidet, soweit man das auf dem schlechten Zeitungsbild erkennen kann, aber eben doch zivil gekleidet. Und die gleiche Bewegungsart, die bei den Soldaten so normal wirkt, wird bei den Zivilisten auf einmal saukomisch.

Und ob man das Bild noch kommentieren muß?

7.10.08

Das Genie des Einbrechers

In der Kunst, Literatur und Musik ist viel Gewese um die verkannten Genies.

Was gerne vergessen wird, daß es auch unter Einbrechern Leute gibt, die ihr Geschäft als Kunst und diese mit wahrhaft genialer Meisterschaft betreiben. Das Tragische ist aber in diesem Falle, daß Einbrecher nur dann wirklich geniale Einbrecher sind, wenn sie unerkannt bleiben, ihr Genie also völlig verkannt wird.

Die wirklich großen Einbrecher sind jene, von denen man nie hört. Verkannte Genies per definitionem. Ein berühmter Einbrecher ist kein guter Einbrecher.

Nur, damit auch das mal ausgesprochen worden ist.

5.10.08

Wer ko, der muaß...

Der Franze hat gsagt, er lernt nix. Weil, sagt er, wer was kann, muß es auch machen.

Demuts-Champions

In christlichen Weltgegenden gilt Demut als eine der höchsten Tugenden. Jeder Bischof, der andere sich vor ihm hinknien heißt und sich von ihnen den Ring samt der Hand küssen läßt, jeder Kardinal, der eifersüchtig darauf besteht, daß man ihn mit Eminenz anredet, jeder Papst, der sich zujubeln läßt, preist die große Tugend der Demut.

Und wirklich: Leute, die nachweislich demütig und bescheiden gelebt haben, können mit einiger Wahrscheinlichkeit darauf hoffen, den Ruhm der Altäre zu ernten, also von den Leuten verehrt zu werden.

Ehrgeizige Leute gehen deshalb schon von früher Jugend daran, sich auf eine Karriere als Demuts-Champion vorzubereiten.

Erste Voraussetzung für Demut ist natürlich Ansehen. Nein, das ist jetzt kein Schreibfehler. Ich weiß schon, daß manche sagen, aus der Demut komme das Ansehen, aber genau besehen ist es umgekehrt.

So wie Gnade Macht voraussetzt, setzt Demut Ansehen voraus. Ein armer Teufel, den sowieso jeder für den letzten Idioten hält, von dem kein Hund ein Stück Brot annimmt, kann nicht demütig sein. So wenig wie einer, dem sowieso keiner gehorcht, der nichts bewegen kann, gnädig sein kann.

Der Konkurrenzdruck ist groß und wenn du da nicht einen brennenden Ehrgeiz mitbringst, dann hältst du das nicht aus, so ein Leben in völliger Demut.

Und der Druck auf dir wird ja immer stärker, je älter du wirst. Je mehr Leben du schon mit Heiligsein vertan hast, desto erpichter bist du natürlich darauf, eines toten Tages die Ernte in Form von Himmel und Heiligsprechung einzufahren. Desto weniger kannst du dann noch irgendwann sagen: "Jetzt mag ich nicht mehr, Herr Papst. Jetzt kannst mich am Arsch lecken, Herr Abt. Such dir einen anderen Deppen, Herr Prior."

Wenn du von Haus aus ein Depp ist, geht es natürlich leichter. Als Depp geht dir das leicht von der Zunge: "Ja, Herr Papst. Geht in Ordnung, Herr Abt. Klasse Idee, Herr Prior."

Aber stell dir mal vor, du bist ein blitzgescheiter Mensch und sollst zum größten Unfug Ja und Amen sagen...

Aber es hat ja auch keiner behauptet, Heiligsein wäre leicht.

4.10.08

Rangabzeichen

Wenn Menschen zusammenleben - und sie kennen keine dauerhafte Alternative zum Zusammenleben - dann gibt es innerhalb jeder menschlichen Gruppe eine Rangordnung. Seit sich das erste Mal ein Häuptling einen größeren Knochen ins Haar gesteckt hat, als die anderen Stammesmitglieder, gibt es auch Rangabzeichen, welche die Ordnung jedermann sichtbar machen.
Das ist nicht nur die Hose aus feinerem Tuch und die dickere Zigarre. Je höher einer in der sozialen Rangordnung steht, desto länger darf gemeinhin auch sein Name sein. Ganz kleine Leute heißen Karli, kleine Leute müssen sich mit Karl Müller zufrieden geben, während etwas größere sich bereits als Herr Dr. Karl Müller anreden lassen dürfen. Wirklich große Leute heißen dann Karl Ludwig Maria Graf von Brockenstein und zu Lichtenfels.
Dieser Trend kehrt sich interessanterweise aber bei den ganz Großen dann wieder um. Da heißt der Obermotz dann nur noch Karl. Es gab im ganzen Frankenreich nur einen Karl von echtem Rang und das war der Kaiser. Weiß jeder, wer gemeint ist, mit Karl; nur Karl.
Und in Brasilien gab es einen kleinen Jungen aus kleinen Verhältnissen, der hieß Edson Arentes do Nascimento. Und als er berühmt wurde und also groß, da nannte sich dieser Edson Arentes do Nascimento nur noch "Pelè".
In der Hierarchie der Wissenschaft findet sich eine solche an- und absteigende Leiter der prächtigen Bezeichnungen ebenfalls. Hier führt der Weg vom Dipl.-Dings über den Dr. bums bis zum Professor Dr. Müller.
Die wirklichen Koryphäen ihres Fachs, jene, die jeder auch außerhalb der engen Fachgrenzen kennt, heißen dann nur noch Konrad Lorenz oder noch einfacher Einstein.
Es wäre eine arge Minderung des Rufes und Ranges von Prof. Dr. Albert Einstein, würde man ihn in einer Abhandlung über die Geschichte der Physik als Prof. Dr. Albert Einstein bezeichnen. Es hieße, es würde ihn so kein Schwein erkennen, nur im vollen Namenswichs wäre er als Großmeister erkennbar. "Prof. Dr. Albert Einstein" ist eine respektlose Anrede.
Und jetzt schauen wir uns mal diese fünf Herren an, die anscheinend nach einer Ordensverleihung für den Photographen posieren. Ein Generalmajor, ein Generalleutnant und ein weiter Generalirgendwas. Alle drei in prächtiger, uniformigster Uniform, mit Stiefeln, Dünnschiss-Hosen und ganz, ganz viel Lametta, Affenschaukel und Orden über Orden auf ihren Jäckchen. Stramm und straff und stolz auf ihren Rang stehen sie da (die Nr. 5 platzt fast im Angesicht der eigenen Bedeutung).
Ihr Chef Mielke trägt zwar auch Uniform, aber eine von der Art, die sich eigentlich weigert, wie eine solche auszusehen. Sie wirkt eher wie ein biederer zweireihiger Zivilanzug, an den ein Schneider schnell mal ein paar Uniformbestandteile drangenäht hat. Dem Kundigen ist klar, daß auch Mielke Orden trägt und zwar so viele, daß er sie nicht mehr im Original, sondern nur noch in Ordenskurzschrift anhängen hat. Er steht da, wie halt ältere, korpulentere Herren dastehen, wenn sie sich fotografieren lassen müssen. Retuschiere die paar Uniformbestandteile aus dem Anzug und Mielke sieht aus wie ein AOK-Chef irgendwo auf dem flachen Land.
Ihrer alleroberster Ober-Chef Honecker nun verzichtet auf jegliche Rangabzeichen, er trägt wirklich nichts als einen schlichten Anzug. Und er steht da, als wäre ihm das Photographiertwerden ungemein peinlich. Hätte er nicht einen Anflug von Lächeln (wirklich nur einen Anflug) auf dem Gesicht, könnte es auch ein Polizeiphoto anläßlich einer Zeugengegenüberstellung sein.
Rangabzeichen sind was für die kleinen Großen.

Nicht Bärlauch sondern Bohrloch

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nie zu fragen wagten. Heute "Sexuelle Duldungsstarre" " Die Duldu...