13.4.21

Ein Duschkopf aus Österreich

Ich mein, das ist ja erfreulich, daß ein Glatzkopf so viel von was auch immer verkauft.

Aber ihn deswegen als Duschkopf zu verhöhnen ist vielleicht doch ein bisserl respektlos.

Meine Firmung

Ich habe noch mein Kommunionbild. Jetzt ist es sogar im Internet zu besichtigen, leugnen ist also zwecklos. Sie sehen, wie verkrümmt, ja frivol ich dastehe, als würde ich im nächsten Moment lostanzen, wie in einem Broadway-Musical. Am streng lotrecht fal­len­den Vorhang im Hintergrund kann man erkennen, wie schief ich die Kommunionkerze halte. Ich kann mich noch erinnern, wie der Photograph mit bewundernswerter Geduld versucht hat, sowohl mich als auch die Kerze in korrekt lotrechte Position zu bringen. Wenn es ihm gelungen war, ist er zur Kamera geeilt, den Auslöser zu drücken. Ein kurzer Blick in den Sucher... und er hat nicht abgedrückt. Es ist ihm nicht gelungen, mich für auch nur wenige Sekunden gerade zu biegen, er mußte dann das Bild nehmen, auf dem die Kerze und ich noch am wenigsten schief standen.

Damit wir uns recht verstehen: Ich liebe die Geometrie, ich schätze den rechten Winkel hoch, aber nur auf dem Rechenblock, nicht im wirklichen Leben. Bei der Erstkommunion habe ich es noch geschafft, dem Terror des Rechten Winkels zu entgehen, bei der Firmung zwei Jahre später hat es mich dann aber doch erwischt.


Ich erschrecke noch heute, wenn ich mein Firmbild sehe und ich erschrecke noch mehr, wenn ich Kommunion- und Firmbild gegenüberstelle. Was für ein unbändiger, fröh­licher Bub in dem einen Bild und was für ein Schrat im anderen. Mein eigener Opa hat damals lebenslustiger auf seine Mitmenschen gewirkt als ich hier. Ich schaue aus, als wäre ich bemüht, überhaupt keine körpersprachlichen Signale auszusenden: "Überseht mich einfach!"

Gott, was hatte ich an diesem Tag aber auch aus­zu­ste­hen. Das ging mit dem Anziehen des Guten Anzugs los, das entsetzliche Schmieserl dann. Noch heute drücke ich mich vor dem Anlegen des Guten Anzugs, wann immer es möglich ist. Gottlob ist es oft möglich, nur bei Beerdigungen und Hochzeiten kommst du dem Anzugterror kaum noch aus.

Beim Betrachten meines Firmbildes meinte bei anderer Gelegenheit jemand: "Mit den weißen Schuhen erscheinst Du modisch derart weit vorne, dass es nur so scheppert." Noch heute zucke ich verstimmt zusammen, wenn mich jemand "modisch gekleidet" oder "schick" schilt. Okay, inzwischen habe ich es geschafft, daß kaum jemand mehr auf die Idee kommt, dergleichen Urteile über mich zu sprechen.

 

Um zu guter Letzt doch noch auf die theologischen Gesichtspunkte der Firmung zu kommen:

Die Firmungszeremonie dauerte etwa drei Stunden (kein Witz), man hatte - damit die Feier nicht gestört würde - die Kirchentüren verschlossen (auch kein Witz) und kündigte dies auch zu Beginn der Feierlichkeiten an. Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, bei mir führt das auch nur indirekte Andeuten möglichen Harndrangs zum sofortigen Einschießen des Harnes in den Harnleiter. "Am Harne hängt, zum Harne drängt doch alles", meinte hierzu der Altmeister.

Wenige Minuten nach Beginn der Zeremonie verspürte ich das Bedürfnis zu urinieren, ein Bedürfnis, das im Laufe der drei Stunden nicht milder wurde, sondern stärker und stärker und mich verhinderte, an Gott zu denken. Wiewohl ich damals ein frommer Junge war, war all mein Denken in diesen drei Stunden auf Penis, Harnleiter und Blase gerichtet und jegliche Konzentration galt dem Bemühen, den Schließmuskel dicht zu halten. Jetzt nur nicht, mitten in der Kirche und mitten in der Firmung einbrunzen! Der anschließende Besuch des Pissoirs und das Abschlagen des überreichlich gewordenen Wassers war einer der schönsten Momente meines Lebens und ist es bis heute geblieben.

Am Nachmittag besuchte ich mit meinem Firmgöd, dem Ramerscheid, diverse Wirtshäuser zwischen Wurmannsquick und Eggenfelden. Ich kannte weder die Wirtschaften noch die Männer, die dort hockten, wohl aber kannte diese mein Firmgöd, der dort in gemütlicher Runde jeweils reichlich Bier zu sich nahm. Von Straßenverkehr und Alkohol wußte ich damals noch nicht viel, noch kannte ich den Zusammenhang zwischen Alkoholisierung und Fahrtüchtigkeit, so daß mir wenigstens die Angst bei den Fahrten erspart blieb.

Daß der Ramerscheid gar nicht Ramerscheid hieß erfuhr ich erst auf seiner Beerdigung, wenige Jahre später. Auf dem Land in Niederbayern ist es nämlich - immer noch, wie mir versichert wurde - üblich, einen Bauern nicht mit dem Familiennamen zu bezeichnen, sondern mit dem Flurnamen seines Hofes. Hättest du in Hebertsfelden gefragt, wo denn der Herr Hopper wohne, so hättest du ratloses Schulterzucken geerntet, wenn du nicht zufällig den Postboten oder den Standesbeamten der Gemeinde gefragt hättest.

Die Ästhetik der Fabrikhalle

Was mag wohl dieses Bild darstellen? Wenn du nicht so ganz genau hinsiehst, magst du es auf den ersten Blick für einen Ausschnitt aus einer Werkshalle halten. Diese kühle, blitzende Eleganz, die dich frösteln läßt. An diesem eiskalten Eindruck vermag auch die merkwürdige Pflanze im Vordergrund wenig zu ändern. Genau genommen verstärkt sie den Eindruck bloß, weil natürlich durch den Kontrast die Wirkung des blitzenden Me­talls nur umso stärker rauskommt.
Und dann die Werkshalle aus einer anderen Perspektive und mit "Arbeiterin".

Es ist ein Fitness-Studio, verdammt, tatsächlich ein Fitness-Studio. Und was das wirklich Verrückte an der Sache ist: die beiden Fotos stam­men nicht etwa aus einer kritischen Illustriertenreportage über eiskalte Fit­neß­fab­riken, sondern aus dem Werbeprospekt eines Regensburger Fitneß-St­udios.

Abenteuerlich, so was! Da verbringen die Leute ihre Arbeitstage in irgendwelchen Fabrikhallen, wo irgendwelche Maschinen vor sich hinstampfen oder in Büros, wo blitzende Computer ihnen einen fremden Rhythmus aufzwingen - und kaum sind sie draußen, in der heiß ersehnten Freizeit, setzen sie sich in ihre Autos, fahren zum nächsten Fitness-Center und setzen das enervierende rhythmische Stampfen fort. Aber was willst du auch von Leuten erwarten, die sich freiwillig in einer Disco [1] dem Stampfen der Techno-Musik [2] aussetzen?

 



[1]   Hoppala, man sagt jetzt Club, wurde mir hinterbracht.

[2]   Für Techno-Musik sagt man inzwischen bestimmt auch anders. Heutigentags sagt man alle 20 Jahre anders. Statt Burma sagt man jetzt Myanmar, statt Hysterie heißt es jetzt dissoziative Störung und histrionische Persönlichkeitsstörung, für Neger sagt man... wie eigentlich? In Babylon - die Älteren werden sich noch erinnern - mußte noch GOtt einschreiten und die Sprache der Menschen verwirren, so daß keiner mehr den anderen verstand, heute müssen das die Menschen (GOtt ist tot!) selber machen.

11.4.21

Von der Sinnlosigkeit des Tötens im Krieg

Aus dem Stück "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl... nein, doch nicht, sondern bloß von Wolfram Heinrich.

Im Feld-Hauptquartier vor Ort in Afghanistan

GENERAL Hömma, Obergeneral, was ich dich schon immer fragen wollte...

OBERGENERAL während er eifrig einen streng geheimen Bericht in seinen Laptop klopft Ja?

GENERAL sinnend Was machen wir hier eigentlich?

OBERGENERAL klopft weiter konzentriert auf seinen Laptop ein Wir führen Krieg, wie dir vielleicht schon aufgefallen ist.

Kurzes, spöttisches Lächeln - er ist so dumm, und ich bin sein Chef - dann hämmert er weiter.

GENERAL Na ja, nun, so blöd bin nicht mal ich. Was ich meinte war - wozu führen wir diesen Krieg?

OBERGENERAL Um den Feind zu besiegen? Könnte das hinkommen?

GENERAL Ja, ja, verarsch du mich nur. Was ich mich frage: Was ist der Sinn, was ist das Ziel dieses Krieges?

Der Obergeneral blickt erstaunt auf. Sein Gesicht nimmt den Ausdruck angestrengten Nachdenkens an. Er denkt - eine zeitlang.

OBERGENERAL Hm, das ist eine gute Frage, die du da stellst.

Der Obergeneral greift zum Telefon, wählt eine Nummer und wartet. Schließlich...

OBERGENERAL Ah, du bist's. Hömma Barack, alter Nigger, was ich dich schon immer fragen wollte...

 

In einem Internet-Diskurs über den Afghanistan-Krieg meinte einer voll bitterer moralischer Resignation: "Das sinnlose Töten wird nicht nur nicht gestoppt. Es geht nicht nur einfach weiter. Es nimmt zu."

Ich versuchte, ihn zu trösten.

Das Wort vom "sinnlosen Töten" will ich nicht gehört haben!

Ja, sind das denn alles Idioten, die dort töten, töten lassen, getötet werden? Als wenn schon je - mals ein Krieg sinnlos geführt worden wäre.

Das Wort vom "sinnlosen Krieg" gehört in die "Rhetorik der Unfaßbarkeit". Wie gerne ist nicht die Rede davon, jemand habe mit unaussprechlicher, unvorstellbarer, unbeschreiblicher und, ja, unfaßbarer Grausamkeit gehandelt. Natürlich ist diese und jede andere Grausamkeit aussprechbar, beschreibbar, vorstellbar. Und alltäglich.

Alltagserfahrung und die sich nicht in die Behaglichkeit des Mysteriums zurückziehenden Teile der Philosophie lehren uns, daß nichts, aber auch überhaupt nichts auf dieser Welt einfach so geschieht, daß nichts, aber auch überhaupt nichts auf dieser Welt sinnlos ist. Der Sinn muß dabei nicht der Sinn sein, den ich oder du uns wünschen.

Von Spinoza stammt der schöne Satz: "Jede Erscheinung beweist ihre Notwendigkeit durch ihr Dasein." Das ist ganz früher, rasiermesserscharf [1] formulierter Darwin. Das Dasein des Pestbakteriums beruht nicht auf meiner Notwendigkeit, ich kann ganz gut ohne Pest leben, das Pestbakterium sieht das etwas anders.

Die Welt ist prinzipiell erkenn- und verstehbar.

Das ist natürlich nichts weiter als ein unbewiesener, unbeweisbarer Glaubenssatz. Ich werde diesen Satz nie beweisen können, er wäre erst dann bewiesen, wenn die Welt wirklich zur Gänze von Menschen verstanden wäre.

Aber: Der Satz ist eine Anleitung zum praktischen Denken. Ich - und das ist meine Denkmethode - tue so, als wäre der Satz richtig und bewiesen. Und ich tue das deshalb, weil mich dieser Glaubenssatz davor bewahrt, mich voreilig auf die bequem Position des prinzipiell Unerklärbaren zurückzuziehen.

Das Denken hört auf, wenn ich irgend etwas als unfaßbar, unbegreiflich, sinnlos deklariere. Die Dinge sind nicht prinzipiell unverständlich, ich kann sie lediglich von meinem Blickwinkel aus und jetzt nicht verstehen.

Zurück zu Afghanistan. Im Juni 2010 war es in allen Zeitungen zu lesen: "Ein US-Team von Geologen und Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums (!) (Ausrufezeichen von mir, T. R.) will Rohstoffvorkommen im Wert von fast einer Billion Dollar [2] in Afghanistan aufgespürt haben. (...) Es gehe um Lithium, Eisen, Kupfer und Gold, zitiert die Zeitung hochrangige US-Beamte. In einem internen Papier des Verteidigungsministeriums heißt es demnach sogar, Lithium könne für Afghanistan das werden, was Erdöl für Saudi-Arabien bedeutet."

Die Meldung, die uns suggerierte, es sei dies ein brandaktuelles Forschungsergebnis, wurde einige Tage lang durch das Mediendorf getrieben, dann war Ruhe. Seither habe ich nichts mehr davon gehört. Einige Sekunden lang hat der Große Zauberkünstler aus Washington seine Karten gezeigt, dann hat er mit dem Finger geschnipst und hypnotischer Schlaf hat die weltweit verbreitet Meldung wieder aus dem Gedächtnis der Welt gelöscht. David Copperfield ist im Vergleich dazu ein Anfänger.

Und es ist nicht das erste Mal, daß diese hochbrisante Meldung dem Vergessen anheim fiel. Am 13. 10. 2001 - einen guten Monat nach 9/11 - schrieb Hubertus Erb in heise.de diesen Artikel: "Die Hauptbeute am Hindukusch sind für den Westen riesige Öl- und Erdgasvorkommen".

Das Töten in Afghanistan ist aus dem Blickwinkel kühl rechnender... äh, Investoren so sinnvoll, wie nur irgendwas auf dieser Welt sinnvoll sein kann.



[1]   Den Namen Occam habe ich überhört, Occam hat mit unseren Überlegungen nix zu tun.

[2]   Gemeint ist eine Billion nach deutschem Wortgebrauch, nicht nach amerikanischem. "A billion dollar" wäre nur eine schlappe Milliarde.

10.4.21

Schnorris und Hulbis

Wenn es wieder mal - wie so oft - darum geht, Moslems als hochgefährliche Mörder zu entlarven, kramt man in der Hl. Schrift und findet dort Koranstellen wie "Tötet die Ungläubigen wo immer ihr sie findet."

Es gibt andere Koranstellen, welche das Gegenteil besagen, so wie es in der Bibel Stellen gibt, welche das Reinhauen, Totmachen, Schänden preisen, ja befehlen und wieder andere Stellen, welche Freundlichkeit und Sanftmut predigen. Das ist ja das Angenehme für den Praktiker, daß er in den Hl. Schriften viele Regeln findet und immer auch das genaue Gegenteil dieser Regeln.

Wenn es opportun scheint, andere Länder zu überfallen oder sich das Eigentum der Ungläubigen im eigenen Land zu rauben, so bedient man sich der Stelle mit den Ungläubigen, die zu töten seien. Legt die historische Situation größere Gelassenheit nahe, kramt man die anderen Stellen hervor.

Wie auch immer: Theorien führen nie zu Massenmord. Die Hulbis erschlagen doch nicht die Schnorris, weil die Hulbis eine Theorie haben, die besagt, daß die Schnorris alles erschlagenswerte Mistsäue sind. So rum wird ein Schuh draus: Den Hulbis stehen die Schnorris im Weg, die Hulbis wollen die Häuser der Schnorris. Die Schnorris einfach erschlagen und in die Häuser ziehen wäre zwar möglich, brächte aber die eigene Rechtsordnung in Schwierigkeiten. Besser ist, ein angemieteter Philosoph erfindet mir eine Theorie, die besagt, daß die Schnorris alles erschlagenswerte Mistsäue sind. Diese Theorie glaube ich dann und jetzt kann's losgehen.

Die Theorie macht den Mord leichter durchführbar, aber sie erzeugt den Mord nicht.

Impf 56 Warum Rembrandt wirtschaftlich erfolgreicher war als ich es jemals sein werde

 
Im Video recke ich unter anderem ein Bild von Paul Piekaso in die Kamera und behaupte frech, es sei von Pablo Picasso, während es in Wirklichkeit von einer gewissen Nora Shepley ist.

Pardongnemoa!

8.4.21

Neue Leute kennenlernen

Die alte Frau Mitterwieser hat gsagt, seit sie kaum noch rausdarf lernt sie keine neuen Leut mehr kennen. Sie hofft jetzt, sagt sie, auf die Demenz.

Wie dumm kann ein Mensch sein?

 Gestern erschien es mir hoch an der Zeit, meinen großen Computer, der seit ein paar Tagen spinnt und nicht mehr zum richtigen Laufen zu bri...