5.7.15

Wahrheit

Der Franze hat gsagt, die Wahrheit wär oft deprimierend. Aber, sagt er, nicht für den, der sie nicht versteht.

Vom Vorteil der Katastrophe

Manchmal ist die Natur sehr lästig, oft aber immer noch besser als der Normalfall. Oder nicht?

Vor einiger Zeit habe ich im Radio gehört, der Wirbelsturm "Irene" habe in den Vereinigten Staaten bislang mindestens 21 Menschen das Leben gekostet.
Das ist nicht viel, bedenkt man die Opferzahlen, die gemeinhin bei tropischen Wirbelstürmen zu beklagen sind. Das ist viel, stellt man in Rechnung, daß 21 Tote bei einem einzigen Ereignis schon ganz erheblich sind.
Auf der anderen Seite wäre eine Gegenrechnung interessant: Wie viele Menschen kamen in den Tagen der Evakuierung, der Ausgangssperre und der nicht fahrenden Öffentlichen Verkehrsmittel nicht zu Tode, eben weil es mangels Verkehr nicht zu Unfällen kam, weil in den U-Bahnen und auf den Straßen niemand ermordet werden konnte? Ist vielleicht die Naturkatastrophe manchmal - nicht immer, gewiß - milder uns gegenüber als der normale Alltag?

Vor vielen Jahren habe ich folgende Zeitungsmeldung gefunden.

 Schon damals hatte ich mich gefragt, wie viele Morde in der Zeit der Hitze nicht passiert sind, die man nach der Statistik eigentlich hätte erwarten können.

In Deutschland erleben wir es fast jeden Winter, daß extremes Glatteis auf den Straßen zwar die Zahl der Unfälle in die Höhe treibt, diese Unfälle aber in aller Regel harmlose Blechschäden bleiben. Selbst der wildeste Dumpfie fährt bei Glatteis Schrittgeschwindigkeit oder nur ganz wenig mehr als das, weil sich anderenfalls der Wagen sofort quer stellt oder im Straßengraben verschwindet.
Nie sind die Straßen sicherer als bei extremem Glatteis, scheint mir.

2.7.15

Liebe, man kann auch Sex sagen

Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt

Der Franze hat gsagt, seit die Wissenschaft rausgefunden hat, daß es im Grunde eh keine Geschlechter hat [1], gibt er sich als Lesbe aus und macht sich, sagt er, so an die Weiber ran.
Ein Hund is er schon, der Franze.


[1]  Es gibt Wissenschaftler, die behaupten, es gebe so dermaßen viele Geschlechter, daß man sagen könnt', es gäb' gar keine. 

23.6.15

Zeichen am Himmel

Das letzte mal, da ich merkwürdige Erscheinungen am Himmel beobachtet habe, war am 3. Oktober 1988 gewesen. Wir wohnten damals in Regensburg-Königswiesen, der westliche Teil Regensburgs war von unserem Balkon aus  ganz wunderhübsch zu sehen, einschließlich der Autobahn von München nach Weiden, oder umgekehrt, je nachdem, wie man es sehen will. Weiter als nach Weiden ging die Autobahn seinerzeit noch nicht, wozu auch? Hinter Weiden kam nur noch ein bisserl Franken, dann legte sich die DDR quer, da war kein Durchkommen.
An besagtem Tage machte es wupp-wupp-wupp, ganz so, als flöge da ein Hubschrauber. Und siehe, es flog tatsächlich einer, von rechts, also aus Richtung Passau kommend und Kurs auf das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder nehmend, das unten im Tale lag [1]. Das fliegende Stück Blech regte uns aber nicht weiter auf, denn, wir wissen es alle, Krankenhäuser werden häufig von Hubschraubern angeflogen.
Dann aber machte es abermals wupp-wupp-wupp, und dann noch- und ein weiteres mal. Das Ganze wiederholte sich, und alle Hubschrauber kamen nunmehr aus Richtung München und hielten auf die Barmherzigen Brüder zu.
"Nanu?", sagten wir uns nun doch, vermochten das Rätsel aber nicht zu deuten. Das lag zum Teil daran, daß der Erstgeborene gewickelt werden mußte [2], zum anderen war uns kürzlich der Zweitgeborene vom Engel des HErrn verkündet worden: "Siehe, Weib, du wirst einen Sohn gebären und sein Name wird sein Michael." Der gebildete Mensch weiß, daß Mikha'el (hebräisch מיכאל) soviel bedeutet wie "Wer ist wie Gott?". Der gebildete Mensch, deren es nur noch wenige gibt, wird also verstehen, daß wir das Schraubelhubertum am Oberpfälzer Himmel vorerst nicht weiter beachteten.
Aus dem Fernsee erfuhren wir wenig später, es sei der damalige Bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß bei der Wildschweinjagd unweit von Regensburg mit Akutem Bauch zusammengebrochen und kurze Zeit später verstorben.
Franz Josef Strauß, die Älteren werden sich noch dumpf an den Namen erinnern können [3], die Jüngeren wissen ohnehin von nichts gar nichts mehr. "Wie?", flötet der junge Mensch von heute, "was heißt Mittwoch? Heute ist Donnerstag, das muß vorerst reichen." Ja, okay, meine Söhne erinnern sich sogar noch an den Reichsdeputationshauptschluß [4] vom 25. Februar 1803. Aber das liegt zum einen daran, daß beide in Regensburg geboren und aufgewachsen sind, wo seinerzeit besagter Hauptschluß beschlossen worden war, Weltgeschichte in Regensburg also im Rahmen der Heimatkunde gelehrt wird. Zum anderen liegt es daran, daß ich seinerzeit bei mir dachte, es müßte doch möglich sein, auf spielerische Weise ein bayerisches Kind so weit zu bringen, daß es beim Eintritt in die Grundschule so viel wisse und könne wie ein Berliner nach dem Abitur [5].
Um auf den Anlaß meiner kleinen Plauderei zurückzukommen: Ich halte es - obzwar ebenso Metzgersohn, wie der an jenem Tage verblichene Herr Strauß - bei der Jagd grundsätzlich zu den Tieren. Wenn ich von einem Jäger lese, den sein Jagdhund versehentlich erschossen hat, dann jubiliere ich. Gleiches gilt, wenn ein Jäger von einer Wildsau in seine Bestandteile zerlegt worden ist. Ich weiß, dergleichen ist geschmacklos, passiert aber leider viel zu selten.
Besagter Franz Josef Strauß ist nicht von einer Wildsau zerlegt worden, wie man es - gäbe es einen Gnädigen Gott - von einem Menschen mit Jagdschein hätte erwarten können, es hat ihn einfach so derbröselt. Scheiß drauf, der bayerische Volksmund ist dennoch zufrieden - Hauptsach, er ist verreckt - und noch heute wird der 3. Oktober, da Gott den Alpdruck Franz Josef Strauß von seinem Volk genommen hat, in ganz Deutschland als Nationalfeiertag begangen.
Ich mein, natürlich wär's schöner und lustiger gewesen, Franz Josef Strauß wäre mit 77 Ochsenziemern über die Steinerne Brücke von Regensburg geprügelt worden, um anschließend in Stadtamhof zu verröcheln. Aber, mein Gott, man soll GOtt den Herrn auch nicht überfordern.

Hinweis, nachgeschobener:
In Georg Danzers Ballade vom versteckten Tschurifetzn kommen (außer dem Wort "Tschurifetzn" selbst) mindestens zwei Wörter vor, die nicht jedem Piefke geläufig sein dürften.
Ich greif, wie unter'm Bett ich's suach,
Nur eine in an Murdstrum Luach.
Bei uns wird nämlich nie gesaugt,
Weu der Marie des ned so taugt.
Statt saugen tuat sie lieber wetzen,
desweg'n brauch i den Tschurifetzen!

Ja, gut, Murdstrum gibt vielleicht auch Rätsel auf. Ein Murdstrum ist ein Mordstrumm, also ein sehr großes Exemplar von was auch immer. Diesmal handelt es sich um einen Mordstrumm-Lurch. Lurch meint hier keine Amphibie sondern den zusammengeballten, mit Fasern durchsetzten Staub, der sich mit Vorliebe unter dem Bett ansammelt. Nach dem, was wir inzwischen wissen, erklärt sich das Wort wetzen zwanglos aus dem Zusammenhang.


[1]   Es liegt dort immer noch, um der Wahrheit die Ehre zu geben.
[2]   Scheiße aus der Falte eines Kleinstkindes zu kratzen ist für den Lauf der Weltgeschichte allemal vordringlicher als das Philosophieren über dies & das.
[3]   War das nicht der Typ, der die Donau erfunden hat?
[4]   Gottchen, was für ein Wort. Dabei geht mir jedesmal einer ab. Ich muß also mit einem Tschurifetzn das tun, was man mit einem Tschurifetzn gemeinhin tut.
[5]   Was soll ich groß sagen, es ist mir gelungen. Bei der Einschulung sprachen sie so, wie Thomas Mann zeitlebens gern geschrieben hätte.

22.6.15

Die Kunst und der Tod

Gegen den Tod hilft Kunst eh nicht. Auch wurscht.

Heute fahre ich mit meinem Sohn im Auto, also er fährt, ich hock daneben [1]. Er schaltet das Radio ein, ich sehe DKULTUR auf dem Display und frage, ob das Deutschlandradio Kultur sei. Hmnja, das sei es.
Ich höre den Namen "Theweleit" (damit muß man bei einem Kultursender rechnen), dann Motoraufjaul, nix mehr zu hören. Als der Motor wieder normal läuft, singt einer, hmpftata, tirallala, irgendwas mit Reaktionären und bösen Bossen. Das Übliche.
"Hört sich schwer nach Siebziger-Jahre-Protestsong an", meint mein Sohn (Jahrgang 1989) trocken und grinst. Ich nicke bedächtig, genau so kommt es mir (der ich noch die siebziger Jahre samt gleichnamiger Protestsongs live miterlebt habe) auch vor. Das klingt nach Franz Josef Degenhardt, nur sehr, sehr viel schlechter und dem Degenhardt seine Stimme ist es auch nicht.
"Das ist so gottserbärmlich beschissen und talentfrei", sage ich schließlich, "daß es schon wieder faszinierend ist." Kein Widerspruch von Seiten meines Sohnes.
Dann höre ich, das sei Walter Mossmann gewesen, der da gesungen habe und dieser Mossmann sei eben jetzt im Alter von 74 Jahren gestorben. Verdammt, verdammt, denke ich mir, hätte ich dies vorher gewußt, weil der Motor nicht aufgeheult hätte, dann hätte ich mir solch despektierliche Gedanken verboten.
De mortuis nil nisi bene - eh schon wissen [2]. Und der nächste, den's derlaibelt, bin vielleicht sowieso ich. Ach.


[1]        Früher war das umgekehrt, aber früher ist lange her.
[2]        Als ich noch der Waldbauernbub war, hab ich mich - unter anderem wegen dieses Spruches - oft gefragt, ob die Erwachsenen nicht allesamt verrückt sind. Wie lang, so fragte ich mich, muß eins tot sein, damit man über ihn schimpfen darf? Denn geschimpft wurde über Tote, auch und gerade von den Dumpfbeuteln, die gerne diesen und andere lateinische Sprüche absondern. Spontan fallen mir Hitler und Nero ein.

Hänsel ohne Gretel, Hinz ohne Kunz

ÖPNV - Weil doch vor kurzem der 2. Juni war

Wenn du in München Bus fährst, kommst du in der Nähe des Gärtnerplatzes an die Haltestelle "Baaderstraße" und du freust dich schon auf den Meinhofplatz, der aber nie kommt. Daß diese Bayern aber auch nie was ordentlich zu einem Ende bringen können.

Unsterblichkeit

Der Franze hat gsagt, der Xare wär unsterblich. Zumindest, sagt er, hat's der Xare geglaubt, bis zuletzt.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...