"Sprich nicht von Gott vor ihm, mein Kind, sein
Nichtgott ist ihm heilig."
Seit - na, wie lange wird es wohl
inzwischen her sein? Rechenrechen, grübelgrübel... seit 25 Jahren
benutze ich einen Computer, seit mittlerweile fast 10 Jahren bin ich im
Internet unterwegs. Ja, ich bin ein Spätberufener des Zwischennetzes.
Wie auch immer, meine Erfahrung mit Computer und Internet hat mich
gelehrt, daß die Computerei viel von Magie an sich hat. Da laufen
übersinnliche Dinge ab, von denen hätte sich Ali Baba noch nichts
träumen lassen.
Es ist - das bleibt jetzt aber unter uns - eine pure Propagandalüge,
daß Computer irgendwas mit Mathematik oder Naturwissenschaft zu tun
hätten. Sicher kannst du mit einem Computer ausrechnen, wie viel 7 mal
acht ist. Meiner behauptet, die Lösung wäre 56, ich will es ihm mal
glauben, vor allem da der Taschenrechner das gleiche Ergebnis liefert.
Aber es kann natürlich sein, daß die beiden insgeheim vernetzt sind und
sich einen Scherz mit mir erlauben.
Ist dir schon mal aufgefallen, wie oft in einem Computerprogramm das
Wort "hex" auftaucht? Wikipedia, anscheinend tief in die magische
Verschwörung verwickelt, beschwichtigt zwar: "In der Datenverarbeitung
wird das Hexadezimalsystem sehr oft verwendet, da es sich hierbei
letztlich nur um eine komfortablere Verwaltung des Binärsystems
handelt", aber ich lasse mich dadurch nicht täuschen.
Ich habe das Betriebssystem Witchows 7 installiert und dieses
Betriebssystem macht mit mir, was es nur will. Der Witchows (H)explorer
bricht zusammen, wie er grad lustig ist, klicke ich rechts auf einen
Ordner, so macht er in jedem Fall "Kräsch, Bumm, Aus". Formatiere ich in
WORD (aka Magic Spell) einen Absatz für Italienisch, so bricht das
Programm zusammen, immer.
Ich hatte mal, bevor ich eine Internetverbindung hatte, das
Computerlexikon Encarta installiert. Das lief so weit ganz ordentlich,
nur je - des - mal, wenn ich das Wort "Dekompensation" in die Suchmaske eingab brach das Programm zusammen. Nur beim Wort "Dekompensation".
Nun gibt es Leute, die haben das Betriebssystem Mag (!) von Appal (to appal
- erschrecken, entsetzen) installiert und sie behaupten, bei ihnen sei
das mit dem Zusammenbrechen nicht so wild. Ich aber wöhne, und zwar
arg-, das sagen sie nur, weil sie ihr Betriebssystem nicht verärgern
wollen.
Am Standort großer Server wird bereits heute bei Inbetriebnahme ein
Hamster rituell geschlachtet und im Mauerwerk begraben. Der früher
notorisch langsame und fehleranfällige Server des FREITAG war
wahrscheinlich deshalb so zickig, weil man ihm dies Opfer nicht
dargebracht hat. Dies scheint man inzwischen nachgeholt zu haben. Ich
bitte um eine Minute stillen Gedenkens für den Hamster, der am
Hegelplatz geopfert wurde.
Die Betriebssysteme werden immer komplizierter und zickiger, bald
wird man Hunde statt der Hamster nehmen müssen und der Tag wird kommen,
da man Witchows überhaupt nur dann in Gang bekommt, wenn man eine
Jungfrau opfert.
Apropos Jungfrau: Die Frau als solche ist bekanntermaßen ein
Quantenmechanismus, Verhaltensvorhersagen sind nur statistisch über eine
große Frauenpopulation möglich. Verglichen mit einem Computer aber ist
sogar eine Frau ausgesprochen berechenbar.
(Ich hab gerade gesehen, daß ich mein Schowie-Soll für dieses Jahr
noch nicht erfüllt hatte, hiermit habe ich also mein Konto wieder
ausgeglichen.)
Unter Computerern und anderen Ingenieuren kursiert der Spruch "Jede
hinreichend entwickelte Technologie ist von Magie nicht mehr zu
unterscheiden." Sie kolportieren das als Scherz, dem kritischen Denker
aber ist klar, daß sie bloß ihre Computer und anderen Maschinen nicht
verärgern wollen.
Je komplizierter ein System wird, desto mehr entwickelt es ein
Eigenleben, das sich hartnäckig auch dem Schöpfer entzieht. Das ist
vielleicht ein gutes Denkmodell, um sich zu erklären, wieso Gott, der
immerhin das Universum aus dem Nichts heraus erschaffen und mit eigenen
Gesetzmäßigkeiten versehen hat, die Panne mit Satan, dem gefallenen
Engel passieren konnte. Gemeinhin denkt man ja gerne, daß jemand, der
etwas geschaffen hat, die absolute Kontrolle über dieses Etwas hat und
auf Dauer behält, weil er ja die Gesetzmäßigkeiten, nach denen das
abläuft, bis in die Einzelheiten kennt.
Daß der Mensch die Gesetzmäßigkeiten der Physik, der Chemie und der
Biochemie nur unvollständig und nur so lala erkennen kann, leuchtet
unmittelbar ein. Unsere Umwelt, unsere eigene Körperlichkeit, unser
Denken finden wir vor, wir haben all das nicht geschaffen und wir müssen
uns deshalb mühen, dahinter zu kommen, wie das alles abläuft, was die
Welt im Innersten zusammenhält.
Die Wirtschaft aber, bedenkt dies wohl, haben wir nicht
vorgefunden, die haben wir Menschen uns selber erfunden. "Ich hab da
einige Felle, Erwin, die ich selber nicht brauche. Du hast, wie ich
sehe, einige Tonkrüge, die du vielleicht selber nicht brauchst, die mir
aber fehlen. Weißt was, wir machen 1 Deal: Ich geb dir ein Fell und du
gibst mir vier Krügerl. Nein? Nur zwei Krügerl für ein Fell? Willst du
mich ruinieren, willst du, daß meine Familie verhungert? Ich mach dir
ein letztes Angebot: Drei Krügerl für ein Fell..."
Das war noch einigermaßen leicht zu durchschauen, dazu brauchte man
keine Volkswirtschaftler, geschweige Betriebswirtschaftler, folgerichtig
gab es damals auch keine. Irgendein Idiot erfand dann das Geld und ab
da wurde die Sache so nach und nach richtig kompliziert. Kein Schwein
versteht heute noch, wie Wirtschaft eigentlich abläuft, einige behaupten
das zwar von sich, aber spätestens seit sich vor kurzem herausgestellt
hat, daß 55,5 Milliarden einfach verschusselt worden sind, kommen doch
leichte Zweifel an der Kompetenz der Leute auf.
In der Computerei haben die Pioniere einige nach heutigen Begriffen
sehr einfache Programme geschrieben und sie hatten den vollen Überblick,
was der Computer da machte. Die Programme wurden komplizierter, die
Programmierer aber immer schlauer und so blieb alles im Griff.
Irgendwann wurde das Zeug aber so kompliziert, daß man mit Papier und
Bleistift nicht mehr weiterkam und man die Computer damit beauftragen
mußte, bei der Entwicklung neuer Programme behilflich zu sein. Die
erledigten ihren Job ziemlich gut und irgendwann war man so weit, daß
die Programme oder Betriebssysteme unter sehr rätselhaften Umständen
zusammenbrachen und die vom Menschen geschaffene Computerei so
kompliziert wurde, daß kein Schwanz mehr wirklich durchblickt.
Um die Sache noch schlimmer zu machen, gibt es seit längerem schon
ganze Netzwerke von miteinander verbundenen Computern, so richtiggehend
verschworene Banden. Computer sind falsch und tückisch, hundsgemein.
Womöglich bricht jetzt beim Speichern des Textes das Programm
zusammen. Geschieht das, so habe ich recht. Geschieht es nicht, so habe
ich auch recht, weil der Scheiß-Computer das nur deshalb macht, damit er
nicht aufkommt.