5.1.13

Entdeckung

In einer Seemannskneipe im Hafen ist ein trinkender Seemann so auffallend wie ein Priester in Rom. Auffallender ist es schon, wenn es sich bei dem Seemann um ein Schwein handelt, ein großes, dickes, rosafarbenes Schwein mit schwarzem Hut. In Hafenkneipen aber ist man seit alters an auffallende Gestalten gewöhnt, so daß Ebro Pizarro ungestört und unbeachtet in der Bodega "El Rey" saß. Einzig eine Flasche Wein, aus der er bedächtig trank, leistete ihm Gesellschaft.
Der Herr, der eben die Bodega betrat, paßte nicht in diese derbe Kneipe. Selbst für einen Kapitän war er zu gut gekleidet. Vielleicht ein Edelmann, auf jeden Fall aber ein Ausländer, da er sich mit seinem allzu perfekten Schulspanisch dem Wirt hinter der Theke nur mühsam verständlich machen konnte. Der Wirt deutete schließlich in jene Ecke des Lokals, in welcher Ebro versonnen trank.
Der Fremde steuerte zielstrebig auf den Tisch Ebros zu.
"Ich bin Capitan Colombo und Ihr müßt Ebro Pizarro sein", sagte er.
Das Schwein nickte.
"Von Beruf Seemann?"
Nicken.
"Zuletzt Erster Offizier auf der 'Salamanca'?"
Nicken.
"Und als Navigator gut?"
Kopfschütteln.
"Nein?"
"Ich bin nicht 'gut', ich bin der Beste", antwortete Ebro bescheiden.
"Gut, gut. Umso besser. Wollt Ihr bei mir anheuern?" fragte Colombo.
Das Schwein blickte ihn prüfend an.
"Wohin soll die Fahrt gehen?"
"Nach Indien."
"Indien scheint in Mode zu kommen."
"Mag sein", sagt Colombo stolz. "Ich aber fahre nach Westen."
"Dann werdet Ihr niemals in Indien ankommen."
"Aber ja, aber ja. Die Erde ist nämlich eine Kugel."
"Bin ich ein Idiot? Natürlich ist die Erde eine Kugel. Aber der Weg nach Asien auf dem westlichen Seeweg ist viel zu lang. Kein Schiff kann ohne Zwischenaufenthalt so weit fahren."
"Aber die Geographen..."
Ebro schnitt ihm das Wort ab.
"Ich weiß, daß die spanischen Geographen eine westliche Entfernung von nur wenigen tausend Meilen nach Asien annehmen. Aber ihre Berechnungen sind fehlerhaft. Der Weg ist in Wirklichkeit um ein Mehrfaches länger."
"Ihr wollt also nicht bei mir anheuern?"
"Richtig."
"Euer letztes Wort?"
"Mein letztes Wort!"
Als Ebro Pizarro anderthalb Flaschen Wein später die Bodega "El Rey" verließ, wurde er in einer Seitengasse von zwei maskierten Männern mit schwarzen Umhängen überfallen und niedergeschlagen.

Als Ebro Pizarro aus tiefer Bewußtlosigkeit erwachte, war ihm schlecht. Ihm brummte der Kopf und als er versuchte, sich aufzurichten, ließ ihn seine Übelkeit sofort wieder aufs Lager sinken. Es war ihm, als würde sein Körper samt Bett und Zimmer in sanften Pendelschlägen auf‑ und niedersinken.
So erfüllt war er von Übelkeit, daß der erfahrene Seemann Ebro Pizarro mehr als zehn Minuten brauchte, um zu begreifen, daß er sich auf einem Schiff befand. Stöhnend schleppte er sich zum winzigen Fenster der Kajüte und blickte hinaus.
Das Schiff befand sich bereits auf dem offenen Meer, die Küste war nur noch als schmaler, dunkler Streifen am Horizont zu erahnen. In geringer Entfernung segelten zwei andere Schiffe in die gleiche Richtung. Den Namen des einen Schiffes konnte er entziffern: "Pinta".
Jetzt wurde es Ebro Pizarro wirklich schlecht. Dieser Spinner Cristoforo Colombo, der von Geographie soviel verstand wie der Kaiser vom Brotbacken, hatte ihn gewaltsam auf sein Schiff verschleppt. Vor ihm lag das weite, noch nie befahrene Meer und irgendwo dort, unerreichbar weit im Westen, mußte die Ostküste Asiens liegen.
Die Rechnung des durchtriebenen Colombo war einfach: Erst mal auf offener See, blieb Ebro gar nichts anderes übrig, als für Colombo als Navigator zu arbeiten, wollte er nicht selbst mit untergehen.

Wochen vergingen. Es waren bange Wochen, in denen die angstvolle Mannschaft mehrmals kurz vor der Meuterei stand.
Dann, eines Morgens kam vom Mastkorb herunter der erlösende Ruf "Land in Sicht".
Das Land erwies sich bald als Insel, eine ungewöhnlich gastfreundliche Insel. Als Colombo und seine Mannschaft an Land gingen, wurden sie von braunhäutigen, fast nackten Menschen herzlich begrüßt.
Colombo war außer sich vor Stolz. Obwohl es heiß war zum Taubenbraten, gockelte Colombo in voller Admiralstracht herum und ließ sich von seiner Mannschaft als Entdecker des westlichen Seewegs nach Indien feiern.
"Na, Pizarro", zog er Ebro gutgelaunt auf, "wer hat nun recht gehabt? Ich oder Ihr mit Euren 'korrekten' Be­rechnungen?"
"Ich natürlich", antwortete Ebro ungerührt.
Colombo lachte. "Wenn Theorie und Wirklichkeit nicht übereinstimmen, muß die Wirklichkeit falsch sein, was?"
"Richtig. Diese Insel hier liegt viel zu nahe an Europa. Sie kann kein Teil Asiens sein. Wir sind vielmehr an einer bisher unbekannten Küste gelandet."
Admiral Colombo rauschte zornig davon.
Ebro gefiel die Insel, auf der sie gelandet waren. Er schloß Freundschaft mit ihren Bewohnern, die ihn bald in ihr Herz geschlossen hatten. Er lernte eifrig von ihnen und lehrte sie selbst einiges von seinen Künsten.
Nachts hockten die Spanier beisammen, tranken und machten Pläne für die Zukunft. Hei, wie würden sie das Land erobern, die Bewohner unterwerfen und sich selbst die Taschen mit Reichtümern füllen. Ganze Grafschaften, Fürstentümer und Vizekönigreiche wurden unter ihnen aufgeteilt und beim Kartenspiel verloren oder gewonnen.
Ebro, der all dies hörte, wurde es bang ums Herz. Er dachte an die gesegnete Insel, an die fröhlichen und zufriedenen Menschen, die hier lebten - und wie dies alles in wenigen Jahren aussehen würde.
Goldbehängte Spanier würden in Sänften sitzen, geschleppt von den ehemals freien Bewohnern des Landes. Peitsche und Schwert würden erzwingen, was freiwillig nie zu haben wäre. Aus einer grünen Insel im blauen Meer würde eine rote Hölle werden, rot von Feuer und rot vom Blut.

Bald machte ein Gerücht die Runde. Niemand wußte, woher es kam, aber es war da und machte die erhitzten Köpfe der Spanier vollends schwindlig. Nicht weit von hier solle es eine baum- und strauchlose Felseninsel geben, welche aus purem Gold bestünde.
Binnen weniger Tage waren die drei Schiffe von Admiral Colombo seeklar gemacht und die freundliche Insel vom letzten Spanier verlassen.
Nach anderthalb Tagen bereits erreichten die spanischen Schiffe die sagenhafte Insel, deren Felsen in der Tat verheißungsvoll gelb und rot in der Abendsonne leuch­teten.
In der folgenden Nacht, als die gesamte Mannschaft auf der Insel war und sich blutig um die goldenen Schwefelfelsen stritt, ging die gesamte Flotte von Admiral Colombo in Flammen auf.
Ein großes, dickes, rosafarbenes Schwein mit schwarzem Hut sei, so erzählte man, fröhlich pfeifend auf einem seetüchtigen Floß zurück zu seinen Freunden, den Indianern gefahren.

30.12.12

Wissenschaft und Magie

Seit - na, wie lange wird es wohl inzwischen her sein? Rechenrechen, grübelgrübel... seit 25 Jahren benutze ich einen Computer, seit mittlerweile fast 10 Jahren bin ich im Internet unterwegs. Ja, ich bin ein Spätberufener des Zwischennetzes.
Wie auch immer, meine Erfahrung mit Computer und Internet hat mich gelehrt, daß die Computerei viel von Magie an sich hat. Da laufen übersinnliche Dinge ab, von denen hätte sich Ali Baba noch nichts träumen lassen.
Es ist - das  bleibt jetzt aber unter uns - eine pure Propagandalüge, daß Computer irgendwas mit Mathematik oder Naturwissenschaft zu tun hätten. Sicher kannst du mit einem Computer ausrechnen, wie viel 7 mal acht ist. Meiner behauptet, die Lösung wäre 56, ich will es ihm mal glauben, vor allem da der Taschenrechner das gleiche Ergebnis liefert. Aber es kann natürlich sein, daß die beiden insgeheim vernetzt sind und sich einen Scherz mit mir erlauben.
Ist dir schon mal aufgefallen, wie oft in einem Computerprogramm das Wort "hex" auftaucht? Wikipedia, anscheinend tief in die magische Verschwörung verwickelt, beschwichtigt zwar: "In der Datenverarbeitung wird das Hexadezimalsystem sehr oft verwendet, da es sich hierbei letztlich nur um eine komfortablere Verwaltung des Binärsystems handelt", aber ich lasse mich dadurch nicht täuschen.
Ich habe das Betriebssystem Witchows 7 installiert und dieses Betriebssystem macht mit mir, was es nur will. Der Witchows (H)explorer bricht zusammen, wie er grad lustig ist, klicke ich rechts auf einen Ordner, so macht er in jedem Fall "Kräsch, Bumm, Aus". Formatiere ich in WORD (aka Magic Spell) einen Absatz für Italienisch, so bricht das Programm zusammen, immer.
Ich hatte mal, bevor ich eine Internetverbindung hatte, das Computerlexikon Encarta installiert. Das lief so weit ganz ordentlich, nur je - des - mal, wenn ich das Wort "Dekompensation" in die Suchmaske eingab brach das Programm zusammen. Nur beim Wort "Dekompensation".
Nun gibt es Leute, die haben das Betriebssystem Mag (!) von Appal (to appal - erschrecken, entsetzen) installiert und sie behaupten, bei ihnen sei das mit dem Zusammenbrechen nicht so wild. Ich aber wöhne, und zwar arg-, das sagen sie nur, weil sie ihr Betriebssystem nicht verärgern wollen.
Am Standort großer Server wird bereits heute bei Inbetriebnahme ein Hamster rituell geschlachtet und im Mauerwerk begraben. Der früher notorisch langsame und fehleranfällige Server des FREITAG war wahrscheinlich deshalb so zickig, weil man ihm dies Opfer nicht dargebracht hat. Dies scheint man inzwischen nachgeholt zu haben. Ich bitte um eine Minute stillen Gedenkens für den Hamster, der am Hegelplatz geopfert wurde.
Die Betriebssysteme werden immer komplizierter und zickiger, bald wird man Hunde statt der Hamster nehmen müssen und der Tag wird kommen, da man Witchows überhaupt nur dann in Gang bekommt, wenn man eine Jungfrau opfert.
Apropos Jungfrau: Die Frau als solche ist bekanntermaßen ein Quantenmechanismus, Verhaltensvorhersagen sind nur statistisch über eine große Frauenpopulation möglich. Verglichen mit einem Computer aber ist sogar eine Frau ausgesprochen berechenbar.
(Ich hab gerade gesehen, daß ich mein Schowie-Soll für dieses Jahr noch nicht erfüllt hatte, hiermit habe ich also mein Konto wieder ausgeglichen.)
Unter Computerern und anderen Ingenieuren kursiert der Spruch "Jede hinreichend entwickelte Technologie ist von Magie nicht mehr zu unterscheiden." Sie kolportieren das als Scherz, dem kritischen Denker aber ist klar, daß sie bloß ihre Computer und anderen Maschinen nicht verärgern wollen.
Je komplizierter ein System wird, desto mehr entwickelt es ein Eigenleben, das sich hartnäckig auch dem Schöpfer entzieht. Das ist vielleicht ein gutes Denkmodell, um sich zu erklären, wieso Gott, der immerhin das Universum aus dem Nichts heraus erschaffen und mit eigenen Gesetzmäßigkeiten versehen hat, die Panne mit Satan, dem gefallenen Engel passieren konnte. Gemeinhin denkt man ja gerne, daß jemand, der etwas geschaffen hat, die absolute Kontrolle über dieses Etwas hat und auf Dauer behält, weil er ja die Gesetzmäßigkeiten, nach denen das abläuft, bis in die Einzelheiten kennt.
Daß der Mensch die Gesetzmäßigkeiten der Physik, der Chemie und der Biochemie nur unvollständig und nur so lala erkennen kann, leuchtet unmittelbar ein. Unsere Umwelt, unsere eigene Körperlichkeit, unser Denken finden wir vor, wir haben all das nicht geschaffen und wir müssen uns deshalb mühen, dahinter zu kommen, wie das alles abläuft, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Die Wirtschaft aber, bedenkt dies wohl, haben wir nicht vorgefunden, die haben wir Menschen uns selber erfunden. "Ich hab da einige Felle, Erwin, die ich selber nicht brauche. Du hast, wie ich sehe, einige Tonkrüge, die du vielleicht selber nicht brauchst, die mir aber fehlen. Weißt was, wir machen 1 Deal: Ich geb dir ein Fell und du gibst mir vier Krügerl. Nein? Nur zwei Krügerl für ein Fell? Willst du mich ruinieren, willst du, daß meine Familie verhungert? Ich mach dir ein letztes Angebot: Drei Krügerl für ein Fell..."
Das war noch einigermaßen leicht zu durchschauen, dazu brauchte man keine Volkswirtschaftler, geschweige Betriebswirtschaftler, folgerichtig gab es damals auch keine. Irgendein Idiot erfand dann das Geld und ab da wurde die Sache so nach und nach richtig kompliziert. Kein Schwein versteht heute noch, wie Wirtschaft eigentlich abläuft, einige behaupten das zwar von sich, aber spätestens seit sich vor kurzem herausgestellt hat, daß 55,5 Milliarden einfach verschusselt worden sind, kommen doch leichte Zweifel an der Kompetenz der Leute auf.
In der Computerei haben die Pioniere einige nach heutigen Begriffen sehr einfache Programme geschrieben und sie hatten den vollen Überblick, was der Computer da machte. Die Programme wurden komplizierter, die Programmierer aber immer schlauer und so blieb alles im Griff. Irgendwann wurde das Zeug aber so kompliziert, daß man mit Papier und Bleistift nicht mehr weiterkam und man die Computer damit beauftragen mußte, bei der Entwicklung neuer Programme behilflich zu sein. Die erledigten ihren Job ziemlich gut und irgendwann war man so weit, daß die Programme oder Betriebssysteme unter sehr rätselhaften Umständen zusammenbrachen und die vom Menschen geschaffene Computerei so kompliziert wurde, daß kein Schwanz mehr wirklich durchblickt.
Um die Sache noch schlimmer zu machen, gibt es seit längerem schon ganze Netzwerke von miteinander verbundenen Computern, so richtiggehend verschworene Banden. Computer sind falsch und tückisch, hundsgemein.
Womöglich bricht jetzt beim Speichern des Textes das Programm zusammen. Geschieht das, so habe ich recht. Geschieht es nicht, so habe ich auch recht, weil der Scheiß-Computer das nur deshalb macht, damit er nicht aufkommt.

29.12.12

Von Investition, Haß und Wahnsinn

Michael Angele hat vor kurzem in der Wochenzeitung "Der FREITAG" einen Artikel über den Zwist im Hause Suhrkamp geschrieben. Hans Barlach, der Minderheitsgesellschafter des Suhrkamp-Verlages hatte wegen persönlicher Bereicherung zu Lasten des Verlages eine Klage gegen die Mehrheitsgesellschafterin Ursula Unseld-Bèrkewicz eingerecht und hat nun in erster Instanz recht bekommen. Frau Unseld-Bèrkewicz würde damit, falls das Urteil rechtskräftig wird, als Geschäftsführerin des renommierten Literaturverlages Suhrkamp abgelöst werden.
In dem Artikel schreibt Michael Angele unter anderem:
Zu lesen ist von einem der Anwälte auch, dass Barlach von einem tief sitzenden Hass gegen die Suhrkamp-Kultur“getrieben sei.

Einem einfältigen Menschen wie mir stellt sich in diesem Zusammenhang eine Frage.
Wir machen ein Gedankenexperiment:
Ich heiße Barlach und ich habe 1 Haufen Geld, der so groß ist, daß ich ihn weder versaufen noch verfressen kann. Wäre ich ein religiöser oder auch einfach nur irgendwie freundlicher Mensch, so würde ich diesen Haufen Geldes an die Armen verschenken, auf daß ich irgendwann in die Ewige Seligkeit einführe (religiöse Variante) oder mich am Glück der Armen erfreuen könnte (irgendwie freundliche Variante). Nun aber bin ich (also Barlach) weder religiös noch freundlich. Ich möchte vielmehr, daß sich mein Geld, mit dem ich nichts rechtes anzufangen weiß, mehr werde, auf daß ich noch weniger damit anzufangen weiß.
Was mache ich also? Richtig, ich investiere das Geld, auf daß meine Probleme mit dem Geld - Herrgottsnein, wo tu ich jetzt bloß das ganze Geld hin? - noch größer werden. Wo aber investiere ich all die Kohle? In Öl, in Gas, in Trallala, wie's alle machen, die mehr Geld haben als sie versaufen können?
Keine schlechte Idee. Aber, ich (also Barlach) habe einen tiefsitzenden Haß gegen die Suhrkamp-Kultur. Diese kotzelendiglich verschissene Suhrkamp-Kultur geht mir so was von auf den Senkel, es ist nicht zu sagen. Was mache ich also? Ich investiere meine überflüssige Kohle in genau diese kotzelendiglich verschissene Kultur.
Nach meinem - absolut hypothetischen - Gedankenexperiment müßte dieser Barlach ein Volltrottel der Sonderklasse sein.
Das Grausame kommt zuletzt: Womöglich ist meine völlig schwachsinnige Überlegung richtig. Einem Menschen, der überflüssiges Geld, statt es zu verschenken investiert, auf daß es mehr und also noch überflüssiger werde, ist alles zuzutrauen.
Ich habe nachgeschlagen: Der Begriff "Investition" taucht als Geisteskrankheit nicht in der psychiatrischen Fachliteratur auf.

18.12.12

Wo jetzt wieder Berlin liegt

Berlin finden nix leicht für Kanzlerin von Berlin.


Man beachte: Das merkelsche Berlin liegt am Polarkreis und östlich der Halbinsel Kola.


15.12.12

Die Gießkanne Günzlow

Eine Geschichte für Kinder jeden Alters

Als an diesem heißen Sommersonntagnachmittag die Gießkanne Günzlow tatendurstig auf den Spielplatz kam, da waren...
Ach so, Günzlow! Ihr kennt ja die Gießkanne Günzlow noch gar nicht.
Die Gießkanne Günzlow müßt ihr euch als ziemlich klein vorstellen, dazu gedrungen von Gestalt und furchtbar rosa in der Farbe. Eine Eigenart von Günzlow ist es, wahnsinnig oft zu niesen, wobei aus seiner kleinen, gedrungenen und furchtbar rosafarbenen Gießnase jedesmal ein bißchen Wasser tropft. So oft niest die Gießkanne Günzlow, daß Albin, der Witzbold (ein Sandsieb übrigens) vor einigen Monaten dazu übergegangen war, von Günzlow nur noch als der „Nieskanne Günzlow“ zu sprechen.
Na ja, was Sandsiebe alles für lustig halten!
Als, wie gesagt, an diesem heißen Sommersonntagnachmittag die Gießkanne Günzlow tatendurstig auf den Spielplatz kam, da waren die anderen Plastiksachen schon fleißig und eifrig im Sandkasten am Arbeiten. Sie schaufelten und rechten, füllten Eimer mit Sand und siebten, schleppten Sand von hier nach da und formten dort den Sand zu Kuchen. Ein Wirken und Werken war das, ein Schwitzen und Schwatzen.
Die um den Spielplatz herumstehenden Sträucher und Bäume, die Blumen und Gräser, waren hingerissen von diesem Machen und Tun, wieder und wieder brachen sie in begeisterte Jubelrufe aus.
Die Gießkanne Günzlow aber, so stellte sich bald heraus, war zu dergleichen Sandarbeiten nicht zu gebrauchen. Sie mühte sich, den Sand zu einem hohen Turm zu schaufeln und konnte es nicht. Sie machte sich daran, einen Sandkuchen zu formen, aber wieder wurde nichts Rechtes daraus, so daß sie sich anbot, beim Transportieren des Sandes zu helfen. Zwei giftgelbe Schaufeln (Anton und Boris, die Zwillinge aus Hartplastik) füllten schnell die Kanne, beim Ausladen des Sandes jedoch brauchte Günzlow, der Arme, so lange, daß die anderen Sandspielsachen schnell die Geduld mit ihm verloren.
„Günzlow, du bist ein Versager“, meinte Ilse, die blaue Schaufel und Franz, der dunkelrote Rechen konnte ihr da nur zustimmen. Die anderen Plastiksachen sahen das wohl auch so, denn sie lachten die Gießkanne Günzlow ohne Erbarmen aus und ließen sie fortan nicht mehr mitspielen.
Mutlos und traurig hockte sich Günzlow an den Rand des Sandkastens, schniefte (wie immer) fürchterlich und weinte (was er sonst nur selten tat) so manche dicke Träne.
„Warum weinst du, kleine Gießkanne?“ fragte plötzlich eine Stimme hinter ihm. Es war Sabine, das Gänseblümchen, das Günzlow mitleidig anblickte, als er sich nach ihr umdrehte. Günzlow erzählte der freundlichen Blume von sich und seinem vergeblichen Mühen. Und während er erzählte, schniefte er heftig, heulte schließlich, zu allem Überfluß, Sabine zwei, drei dicke Tränen auf die Blüte.
„Oh, Entschuldigung“, stammelte Günzlow verlegen, als er die Bescherung sah, aber Sabine hatte die Wassertropfen schon aufgesogen.
„Danke“, sagte sie lachend. „Heut’ ist wirklich ein heißer Tag, da ist unsereiner froh um jede Erfrischung. Ob du - ich meine, wenn es nicht zuviel verlangt ist - vielleicht noch ein paar Tropfen Wasser hättest?“
„Hab ich leider nicht“, mußte Günzlow zugeben. „Aber“, fuhr er fort, „ich könnte ja Wasser holen.“
„Nein, nein, ich meinte nur: falls... ganz zufällig. Ich wollte dich wirklich nicht belästigen.“
„Du belästigst mich nicht, im Gegenteil. Wie du siehst, habe ich momentan eh nichts zu tun.“
Und so machte sich die Gießkanne Günzlow auf den Weg zum Brunnen, schöpfte sich voll Wasser und goß das lachende, vor Vergnügen jauchzende Gänseblümchen Sabine über und über mit Wasser voll, bis es meinte, nun wäre es vorerst genug.
„He, Günzlow!“ riefen zwei besonders mutige Rosen. „Könntest du uns nicht auch ein bißchen gießen?“
„Kann ich, kann ich“, strahlte Günzlow und machte sich voll Eifer wieder auf den Weg. Nun wurden auch die anderen Blumen und Gräser, Sträucher und Bäume mutig, alle baten sie Günzlow, er möchte sie doch auch ein wenig gießen. Man riß sich regelrecht um die Gießkanne Günzlow. Jede der Pflanzen, die vorhin noch so begeistert die Schaufeln und Eimer und Rechen beklatscht hatten, bewunderte nun die segensreiche Gießkanne. Die Sandspielzeuge beachtete niemand mehr.
Günzlow war eindeutig der Held des Spielplatzes.

14.12.12

Die Welt... so ein Schmarrn!

Ich neige immer mehr zu der Ansicht, daß die Welt im Jahre 1950 durch einen einzigen Schöpfungsakt erschaffen wurde. Gott erschuf mich und baute dann eine Kulisse um mich herum, die ich Kosmos nenne. Ich sitze hier in einer Holzhütte, vor mir ein Teich, um mich rum Wiesen, Hiendlöd und Wald. Ob der Teich jetzt, in der Nacht, wo ich ihn eh nicht sehe, immer noch da ist, weiß ich nicht. Womöglich hat man ihn während der Nacht abgebaut. Ich gehe jetzt nicht raus, nachzuschauen, ich will ja niemand in Verlegenheit bringen. Womöglich aber ist mein Bewußtsein so konditioniert, daß ich - von ihnen gelenkt - nie das Bedürfnis habe, dort nachzuschauen, wo sie ihre Kulissen gerade nicht aufgebaut haben.

Ich war in Berlin, richtig. Viele Menschen, merkwürdige Bauten (die Menschen sind noch merkwürdiger als die Bauten). Ganz toll, wie sie das für mich aufgebaut haben, vor allem dann, wenn ich annehme (wofür ich Gründe habe), daß sie die Kulissen von Neustift nur anders bepinselt haben. Diese Kulissen braucht es ja nicht, wenn ich eh in Berlin bin und also Neustift gar nicht sehe.

Ach so, ja, die Menschen. Ich hab mich das auch schon gefragt, wieso ich Menschen sehe, wo es doch keine gibt. Meine Theorie ist, sie haben zweihundert, dreihundert Hulbis aus irgendeinem Paralleluniversum angeheuert, die - immer wieder anders verkleidet - vor mir herhuschen. Manchmal allerdings merke ich den Betrug. In Italien habe ich Leute getroffen, die ich schon aus Niederbayern kenne, ich habe sie drauf angesprochen, aber sie haben frech behauptet, sie könnten kein Deutsch. Aber ich habe sie durchschaut.

Mit dem Internet haben sie einen ganz tollen Coup gelandet, weil jetzt brauchen sie meistens gar keine Kulissen mehr umzubauen, weil ich eh bloß zuhause sitze und Bildchen anschaue. Schon seit meiner Kindheit behaupten sie frech, es gebe New York. Ich habe nicht den mindesten Hinweis drauf, daß es New York wirklich gibt, ich habe noch nicht nachgesehen, womöglich wären sie mit den Kulissen für New York etwas überfordert. Deshalb haben sie mir eingeredet, ich hätte Angst vor dem Fliegen, so daß ich nicht nachschauen kann, ob das mit New York stimmt. Auch die Sache mit den Flugzeugen (im übrigen eine völlig absurde Idee, denn Metall kann nicht fliegen) kann ich deswegen nicht überprüfen.

Es gibt noch viele Fragen der Philosophie, die gelöst werden müssen, und ich muß sie ganz alleine lösen, denn die anderen Leute...

Ich bin nicht so einfältig, daß ich an andere Leute glaube.

6.12.12

Logik und Abstammung

Obst jetzt du weißt, wer die Eltern vom Jesulein waren?

Was soll ich groß erzählen, hört es euch halt mal an.

Beinhart, wa? Dengel, dengel.

Das mit dem Abendland, das wird böse enden.

Ciao
Wolfram

Wie dumm kann ein Mensch sein?

 Gestern erschien es mir hoch an der Zeit, meinen großen Computer, der seit ein paar Tagen spinnt und nicht mehr zum richtigen Laufen zu bri...