Kaiser Wilhelm II., von dem man sagt, er sei der einzige Mensch gewesen, der eine Kopfprothese getragen habe, meinte einst vollmundig (wie alles, was er meinte), er werde sich niemals in so ein stinkendes Automobil setzen, solange er ausreichend Pferde für seine Kutsche habe.
Die Jahre gingen ins Land und Majestät geruhten dann doch, eine Probefahrt mit einem dieser stinkenden Dinger zu unternehmen. Vor der Fahrt ermahnte Graf Schlieffen den Chauffeur Bauernschmied, er möge doch um Himmels Willen nicht schneller als 30 km/h fahren, schließlich gehe es um das Leben seiner Majestät. Worauf Bauernschmied trocken erwiderte: "Um moins scho au."
Mit solchen Leuten kann man Revolutionen machen.
3.2.09
1.2.09
Arschgesicht

Dieses zornige Rumpelstilzchen in britischer Richterrobe fand ich einst auf der Plattenhülle (3. Seite) von Pink Floyds "The Wall". Je länger ich den zornigen Herrn betrachtete, desto zwingender wurde mir der Eindruck, ich müßte den Herrn von irgendwo her kennen - und sei es aus Film, Funk und Fernsehen.
Andererseits - denke ich mir - war britischen Graphikern damals das Antlitz irgendeines deutschen Provinz-Chefs kaum bekannt. Er wird's wohl doch nicht sein, er:
Oder?
Wir basteln uns eine Sensation
Vor einiger Zeit habe ich in alten Ablagen gestöbert und dabei einige Micky-Maus-Hefte aus den frühen sechziger Jahren gefunden. In der Nummer vom 4. 6. 1960 war dieses sensationelle Bild zu sehen
mit folgender dramatischer Unterschrift:
EINEN KOPFSTAND auf dem Geländer des Stuttgarter Fernsehturms machte der belgische Artist Cesario. Das ist gefährlich und in nicht zur Nachahmung empfohlen! Cesario beherrscht diese Kunst aber so gut, daß er nach menschlichem Ermessen bestimmt nicht herunterfallen kann, wenn er ohne Zuhilfenahme der Arme auf dem Kopf steht. Für die Filmreporter war es eine willkommene Gelegenheit. diese Vorführung für die Wochenschau festzuhalten.
Toll. Auf dem Bild selbst aber sieht, wer zu sehen versteht, daß sich unterhalb des Geländers, auf dem der Artist balanciert, nicht der gähnende Abgrund öffnet, sondern eine weitere Plattform mit Geländer, ein Mensch steht dort.
Wenn den Cesario also eine Windbö erwischt, donnert er in den Abgrund von 3 m. Auch nicht ganz ohne, aber doch....
mit folgender dramatischer Unterschrift:EINEN KOPFSTAND auf dem Geländer des Stuttgarter Fernsehturms machte der belgische Artist Cesario. Das ist gefährlich und in nicht zur Nachahmung empfohlen! Cesario beherrscht diese Kunst aber so gut, daß er nach menschlichem Ermessen bestimmt nicht herunterfallen kann, wenn er ohne Zuhilfenahme der Arme auf dem Kopf steht. Für die Filmreporter war es eine willkommene Gelegenheit. diese Vorführung für die Wochenschau festzuhalten.
Toll. Auf dem Bild selbst aber sieht, wer zu sehen versteht, daß sich unterhalb des Geländers, auf dem der Artist balanciert, nicht der gähnende Abgrund öffnet, sondern eine weitere Plattform mit Geländer, ein Mensch steht dort.
Wenn den Cesario also eine Windbö erwischt, donnert er in den Abgrund von 3 m. Auch nicht ganz ohne, aber doch....
25.1.09
Motorradfahrer
Motorradfahrer sind pervers!
Wer etwas anderes sagt, lügt oder ist selber einer - also pervers, wie gesagt.
Wo der gewöhnliche Autofahrer danach strebt, so bequem und störungsfrei wie nur möglich von einem Punkt A zum Punkt B zu gelangen, ist dem zünftigen Motorrad-fahrer mit solchem Komfort wenig gedient. Wo alle Bemühungen des Pkw-Schofförs in der Ankunft vor Ort ihren vornehmsten Zweck erfüllt finden, ist dem Zweiradraser das Eintreffen am Ziele eher eine peinliche Verlegenheit, jäher Abbruch des eigentlichen Vergnügens. Das Fahren an sich und als solches ist ihm letzter, heiliger Zweck allen Seins. Ein so genanntes "Ziel" dagegen ist allenfalls ein - gelegentlich kunstvoll konstruierter - Vorwand. Nicht das seiende Sein (ontos on) im Sinne des Da-Seins (und ergo: Da-Bleibens) liegt dem Motorradfahrer am Herzen. Vielmehr ist ihm, der sich ganz als platonisches Flitzwesen (zoon kinetikon) versteht, alles Sein ein flüchtiges (ens movens). Mögen errötende Lichter das eine oder andere Mal ein Verweilen erzwingen, so triumphiert im anschließenden Neu-Ergrünen der Ampel doch wieder die Heraklit'sche Dialektik des "panta rhei - alles flitzt". Pffft - kracks - quietsch - röhr ... und in laschen 6 Sekunden ist er wieder von 0 auf 100.
Wie gesagt: Motorradfahrer sind pervers.
aus: "Mubldobdob - Eine Geschichte von Leidenschaft und Zufall"
Wer etwas anderes sagt, lügt oder ist selber einer - also pervers, wie gesagt.
Wo der gewöhnliche Autofahrer danach strebt, so bequem und störungsfrei wie nur möglich von einem Punkt A zum Punkt B zu gelangen, ist dem zünftigen Motorrad-fahrer mit solchem Komfort wenig gedient. Wo alle Bemühungen des Pkw-Schofförs in der Ankunft vor Ort ihren vornehmsten Zweck erfüllt finden, ist dem Zweiradraser das Eintreffen am Ziele eher eine peinliche Verlegenheit, jäher Abbruch des eigentlichen Vergnügens. Das Fahren an sich und als solches ist ihm letzter, heiliger Zweck allen Seins. Ein so genanntes "Ziel" dagegen ist allenfalls ein - gelegentlich kunstvoll konstruierter - Vorwand. Nicht das seiende Sein (ontos on) im Sinne des Da-Seins (und ergo: Da-Bleibens) liegt dem Motorradfahrer am Herzen. Vielmehr ist ihm, der sich ganz als platonisches Flitzwesen (zoon kinetikon) versteht, alles Sein ein flüchtiges (ens movens). Mögen errötende Lichter das eine oder andere Mal ein Verweilen erzwingen, so triumphiert im anschließenden Neu-Ergrünen der Ampel doch wieder die Heraklit'sche Dialektik des "panta rhei - alles flitzt". Pffft - kracks - quietsch - röhr ... und in laschen 6 Sekunden ist er wieder von 0 auf 100.
Wie gesagt: Motorradfahrer sind pervers.
aus: "Mubldobdob - Eine Geschichte von Leidenschaft und Zufall"
24.1.09
Alter Knabe
Im Juli 2006 fand ich im SPIEGEL eine Anzeige des Deka-Investment-Fonds der Sparkasse und darin das nebenstehende Bild eines Jungen.Ein brutales Bild. Ein Junge - wie alt mag er sein?, allenfalls zehn Jahre alt - der aussieht wie sein eigener Vater. Ordentlich, übersichtlich, geradlinig, sogar der Gesichtsausdruck ist erwachsenenmürrisch (wohlwollende Menschen nennen das "seriös"). Ein Junge mit einem bereits erwachsenen Gesicht, keine Überraschungen mehr zu erwarten.
Obwohl - vielleicht rebelliert er ja eines Tages.
Einfühlung
Journalisten... also Reporter... also solche Journalisten, die nicht nur Agenturmeldungen redigieren oder kommentieren, machen gerne mal verdeckte Recherchen. Sie mieten sich zum Beispiel eine Billigwohnung und leben dann ein oder zwei Monate lang von Hartz IV oder - drastischer noch - sie verkleiden sich als Penner und verbringen dann ein oder zwei Monate als Obdachloser auf der Straße. Hautnah erleben sie die Entbehrungen, Gefahren und Demütigungen eines Pennerlebens auf eine sehr authentische Weise am eigenen Leibe und schreiben dann eine informative und sehr bewegende Reportage über das Erlebte. Sie wissen nun aus eigener Erfahrung, was es heißt, arm zu sein, was es heißt, am Rande der Gesellschaft zu leben.
Sie wissen es und sie wissen es nicht.
Sie teilen eine bestimmte Zeit lang alle jene konkrete Erfahrungen, die ein Penner macht, mit den Obdachlosen, mit denen sie zusammenleben. Sie frieren des Nachts, wenn sie, unzureichend geschützt, unter Brücken schlafen, sie müssen zusammen mit den anderen um Nahrung anstehen bei irgendwelchen Armenspeisungen, sie haben keine oder nur unzureichende Möglichkeiten für Körperpflege, sie werden wie die anderen von normalen Bürgern verächtlich angeschaut, beschimpft, verjagt, sie landen vielleicht auch mal in der Arrestzelle der Polizei.
Sie leben tatsächlich das bittere, so gar nicht romantische Leben eines Obdachlosen. Und sie tun es nicht.
Was sie von den anderen Obdachlosen unterscheidet, die genauso frieren wie sie, die genauso hungrig bei der Caritas anstehen, die genauso schief angesehen werden wie sie selber, das ist der Umstand, daß sie
• wissen, daß dieser Zustand ein Zustand auf Zeit ist und
• daß sie diesen Zustand jeder auch vorzeitig wieder beenden können.
Ein extrem kalter Wintertag, an dem er zu erfrieren droht und er kehrt in seine Wohnung zurück, um sich aufzuwärmen. Was der Journalist mit den Obdachlosen teilen kann, das sind eine Menge authentischer Erfahrungen über deren Leben. Was er aber nicht simulieren kann (eben, weil es eine Simulation ist), das ist die Existenzangst, die mit einem solchen Leben verbunden ist, das Gefühl der Ausweglosigkeit.
Das erste Mal über so etwas nachgedacht habe ich noch als Kind, anläßlich der entsetzlichen Leiden Christi am Kreuz, die mich (natürlich) sehr beeindruckt haben. Dann aber dachte ich: Wenn Christus wirklich Gott selber ist, wenn er vom Himmel kommt und dies weiß; wenn er also nicht, wie wir, an Gott und das Jenseits glauben muß, sondern aus eigener Erfahrung weiß, daß es dieses Jenseits wirklich gibt... dann, ja dann leidet er wie ein Mensch und tut es doch nicht.
Dann kann er nämlich quasi aus sich raustreten und seine Situation von außen betrachten. Er leidet als Mensch und steht doch als Gott über dem Leid. So dachte ich damals.
Auf den Gedanken, daß mit der ganzen Geschichte mit Christus und Gott etwas nicht stimmen könnte, bin ich allerdings erst deutlich später gekommen.
Sie wissen es und sie wissen es nicht.
Sie teilen eine bestimmte Zeit lang alle jene konkrete Erfahrungen, die ein Penner macht, mit den Obdachlosen, mit denen sie zusammenleben. Sie frieren des Nachts, wenn sie, unzureichend geschützt, unter Brücken schlafen, sie müssen zusammen mit den anderen um Nahrung anstehen bei irgendwelchen Armenspeisungen, sie haben keine oder nur unzureichende Möglichkeiten für Körperpflege, sie werden wie die anderen von normalen Bürgern verächtlich angeschaut, beschimpft, verjagt, sie landen vielleicht auch mal in der Arrestzelle der Polizei.
Sie leben tatsächlich das bittere, so gar nicht romantische Leben eines Obdachlosen. Und sie tun es nicht.
Was sie von den anderen Obdachlosen unterscheidet, die genauso frieren wie sie, die genauso hungrig bei der Caritas anstehen, die genauso schief angesehen werden wie sie selber, das ist der Umstand, daß sie
• wissen, daß dieser Zustand ein Zustand auf Zeit ist und
• daß sie diesen Zustand jeder auch vorzeitig wieder beenden können.
Ein extrem kalter Wintertag, an dem er zu erfrieren droht und er kehrt in seine Wohnung zurück, um sich aufzuwärmen. Was der Journalist mit den Obdachlosen teilen kann, das sind eine Menge authentischer Erfahrungen über deren Leben. Was er aber nicht simulieren kann (eben, weil es eine Simulation ist), das ist die Existenzangst, die mit einem solchen Leben verbunden ist, das Gefühl der Ausweglosigkeit.
Das erste Mal über so etwas nachgedacht habe ich noch als Kind, anläßlich der entsetzlichen Leiden Christi am Kreuz, die mich (natürlich) sehr beeindruckt haben. Dann aber dachte ich: Wenn Christus wirklich Gott selber ist, wenn er vom Himmel kommt und dies weiß; wenn er also nicht, wie wir, an Gott und das Jenseits glauben muß, sondern aus eigener Erfahrung weiß, daß es dieses Jenseits wirklich gibt... dann, ja dann leidet er wie ein Mensch und tut es doch nicht.
Dann kann er nämlich quasi aus sich raustreten und seine Situation von außen betrachten. Er leidet als Mensch und steht doch als Gott über dem Leid. So dachte ich damals.
Auf den Gedanken, daß mit der ganzen Geschichte mit Christus und Gott etwas nicht stimmen könnte, bin ich allerdings erst deutlich später gekommen.
21.1.09
Ob Tabak blöd macht?
Heute war ich beim Tabaccaio und wollte drei Schachteln Esportazioni ohne Filter. Nö, sagte mir die Frau im Laden, die hätten sie nicht. Nein, auch Nazionali ohne Filter nicht. Dazu muß man wissen, daß in Italien filterlose Zigaretten eine Rarität sind, viele Tabaccai führen sie gar nicht. Der Italiener raucht fast ausschließlich mit Filter, wahrscheinlich will er gesund sterben.
Wie auch immer: Die freundliche Dame kramte schließlich von weit unten und hinten eine Stange ALFA heraus. Die war noch vom Monopolio di Stato (das es schon etliche Jahre nicht mehr gibt), eine echte Antiquität. Nun schätze ich antiquarische Zigaretten, weil die nämlich noch nach was schmecken und nicht von EU-Verordnungen runtergepegelt sind. Und sie wollte mir die Antiquität für schlappe 2 EUR verkaufen, während die Nazionali immerhin 3,70 EUR kosten.
Aber: Auf der Packung stand nicht drauf, ob die Dinger nun mit oder ohne Filter wären.
Sicherheitshalber nahm ich also nur eine Packung und sagte ihr, wenn es wirklich Zigaretten ohne Filter wären, dann würde ich beim nächsten Mal mehr davon kaufen.
Sie meinte dann trocken, ich könnte doch auch jetzt gleich die eben gekaufte Probepackung aufreißen...
Meine Fresse! Das kommt davon, wenn man leichtfertig über die Blödheit anderer Leute spottet.
Wie auch immer: Die freundliche Dame kramte schließlich von weit unten und hinten eine Stange ALFA heraus. Die war noch vom Monopolio di Stato (das es schon etliche Jahre nicht mehr gibt), eine echte Antiquität. Nun schätze ich antiquarische Zigaretten, weil die nämlich noch nach was schmecken und nicht von EU-Verordnungen runtergepegelt sind. Und sie wollte mir die Antiquität für schlappe 2 EUR verkaufen, während die Nazionali immerhin 3,70 EUR kosten.
Aber: Auf der Packung stand nicht drauf, ob die Dinger nun mit oder ohne Filter wären.
Sicherheitshalber nahm ich also nur eine Packung und sagte ihr, wenn es wirklich Zigaretten ohne Filter wären, dann würde ich beim nächsten Mal mehr davon kaufen.
Sie meinte dann trocken, ich könnte doch auch jetzt gleich die eben gekaufte Probepackung aufreißen...
Meine Fresse! Das kommt davon, wenn man leichtfertig über die Blödheit anderer Leute spottet.
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