Vor Urzeiten, als die
Nebel von Avalon noch über die Welt waberten, schuf ich ein Lehrvideo über die Kunst, sich naß zu rasieren. Eine Dame
mokierte sich über die schiere Länge des Monumentalfilmes: "25(!) minuten! soll nur noch einer sagen,
man müsse immer auf frauen warten. in der zeit bin ich mit allem fertig,
während der herr da immer noch zum friseur muss und unter den armen stinkt."
Ich antwortete ihr:
Man sagt nicht "stinkt unter den Armen" sondern
spricht treffender von "maskuliner
animalischer Erotik". Ganz viele Frauen mögen das, wäre es anders,
wäre die Menschheit längst ausgestorben. Übrigens gilt das auch für Männer,
auch sie lieben "feminine
animalische Erotik". Es gibt für die meisten Männer nichts
Widerlicheres und sexuell Abtörnenderes als eine Frau, die in den Duft einer
kostbaren Pflegelinie gehüllt ist.
Den Wenigsten scheint
es aufzufallen, aber seit die Chemie imstande ist, wohlriechende Pflegedüfte
kostengünstig auf den Markt zu werfen und damit intensive Körperpflege auch für
die kleine Frau/den kleinen Mann zugänglich geworden ist, ist die
Vermehrungsrate in unseren Breiten immer mehr zurück gegangen. Welche Frau mit
Geschmack und Leidenschaft will sich schon mit einem Mann paaren, der nicht
mehr stinkt wie ein Wiesel? Wer mit einer wohlriechenden Frau? Seit Kosmetika
immer wohlfeiler und damit verbreiteter geworden sind, seit es Schmuck zum
Schweinefüttern gibt und die Naßrasur auch den weiblichen Intimbereich erobert hat,
sind naturbelassene Frauen (auch unter Öko-Tussies) zu einer kostbaren, gar
nicht hoch genug zu schätzenden Rarität geworden. Naturbelassene Männer sind
häufiger zu finden, aber auch hier geht der Trend in eine fatale
Richtung.
Du magst einwenden,
gefickt werde erfahrungsgemäß trotzdem, ich aber wöhne und das arg, daß es
schlicht immer weniger naturbelassene Frauen gibt (wann hast du zuletzt eine
Frau ohne Lippenstift gesehen?), die Männer also notgedrungen die wohlduftenden
Tussen begatten müssen, wollen sie überhaupt je zum Schusse kommen. Die
vielgerühmte Erotik ist heutigentags kein Spaß mehr.
Ob Parfümeure Agenten
des Vatikan sind, die Unzucht einzudämmen?
Ich bin ja schon froh,
wenn eine Frau nicht nach Insektenspray riecht. Nein, das ist jetzt keine
alberne Bemerkung, bloß damit eine alberne Bemerkung gemacht wird. Vor vielen
Jahren ist es mir mehrmals passiert, daß mir im Bus oder wo eine Frau begegnet
ist, die einen Duft verströmt hat, der mich zurückschrecken ließ. Das war nicht
mangelhafte Körperpflege sondern riechbar Parfüm. Es hat eine Weile gedauert,
bis ich den Duft identifizieren konnte - Insektenspray.
Wieso parfümiert sich
eine Frau mit Insektenspray, und nicht nur eine
Frau, sondern anscheinend etliche? Die erste Hypothese, es handle sich hier
um einen ganz raffinierten Schachzug, sich vor sexueller Belästigung zu
schützen, ließ ich bald wieder fallen. Dann kam ich drauf: Was die Frauen
verströmten, war nicht wirklich der Geruch von Insektenspray. Die Wirkstoffe
von Insektenspray sind vermutlich so unangenehm, daß man sie mit Duftstoffen
zudeckt. Und genau so ein Duftstoff war offensichtlich mal eine zeitlang in
Mode bei Herstellern von Insektensprays: "Psy 9, sprühen ohne sich zu
scheu'n" hieß es einst in der Werbung.
Im übrigen gilt: Wenn
du ein Parfüm bewußt riechen kannst, ist es in Überdosis aufgetragen worden.
Als ich 2010 aus
Italien zurückgekehrt bin, lebte ich in einem Holzhaus weit draußen auf dem
niederbayerischen Land. Der einzige, der sich damals in meinem Haushalt
parfümiert hat, war mein Hund. Entgegen anderslautenden Gerüchten ist nämlich
das Parfümieren, das Überdecken des Eigengeruchs, keine Sache, die erst mit dem
Menschen in die Welt gekommen ist.
Wer einen Hund hat und
mit ihm auf dem Land spazieren geht, hat oft seine liebe Mühe damit, das
Zamperl davon abzuhalten, sich lustvoll in Kuhfladen, Pferdeäpfeln oder
sonstigen Exkrementen von Pflanzenfressern zu wälzen. Gegebenenfalls ist der
Hund auch mit einer toten Maus oder ähnlichem zufrieden.
Nun gab es bei uns
draußen keine freilaufenden Rinder, es gab überhaupt in der ganzen Gegend dort
kaum noch Rinder, die Bauern haben sich auf den Anbau von Feldfrüchten und
Solarstrom spezialisiert. Keine Fladen also in erreichbarer Nähe.
Herumliegendes Aas wurde, sollte es wirklich mal herumliegen, von mir rasch
entsorgt, der Hund mußte sich also mit Gras begnügen, in dem er sich in der Tat
sehr gerne suhlte.
Hunde - und andere
Raubtiere - parfümieren sich, um damit beim Anschleichen an die Beute den
eigenen Raubtiergeruch zu überdecken. Bei Frauen (und Männern, notabene) ist
das nicht anders. Ob es zielführend ist, darüber kann man phil vielosofieren.
Weil...
Vor einigen Jahren
habe ich im italienischen Fernsehen einen Werbespot für ein Deospray gesehen.
Der Spot ist - für eine Kosmetikwerbung - sehr ungewöhnlich aufgemacht: In
einem offensichtlich menschenleeren (nächtlichen) Bürohochhaus wird eine junge
Frau von zwei Männern gehetzt, Bluthunde an der Leine. In einem Treppenhaus,
kurzfristig außer Sichtweite ihrer Verfolger, kann sie sich über das
Treppengeländer schwingen. Sie klammert sich an einer Metallverstrebung fest,
frei über einem gähnenden Abgrund hängend, von oben unsichtbar. Die Frau hängt
im hautengen schwarzen Dress da, erregt atmend. Arme, Gesicht und Achselhöhle
sind mit einem dicken Schweißfilm überzogen. Du riechst buchstäblich die
Schweißwolke dieser angsterregten Frau. Obwohl die Frau nicht eigentlich schön
ist - jedenfalls nicht nach meinem Geschmack - strahlt sie in diesem einen Bild
eine enorme erotische Wirkung aus.
Die Verfolger kommen
mit ihren Hunden ums Eck gelaufen - und laufen trotz der Hunde über der unter
ihnen hängenden Frau an ihr vorbei.
Eine Schrift
erscheint, welche verspricht, daß man nach Benutzung des beworbenen Sprays
keinerlei Geruch mehr ausströme - nessun odore.
Nagle mich jetzt
keiner auf eine genaue Stelle fest, aber irgendwo bei Ludwig Thoma habe ich mal
gelesen, seinerzeit hätten sich die Bauernburschen, wenn sie zum Tanz gegangen
seien, ihr Taschentücherl unter der schweißnassen Achselhöhle durchgezogen und
es dann ins Brusttascherl gesteckt, um die Mädels kirre zu machen. Und von
Napoleon sagt man, er habe seiner Josephine bei der Rückkehr von einem Feldzug
einen Boten vorausgeschickt mit der Nachricht "Wasch dich nicht, ich
komme."
Und heute? Alles
sauber, alles keimfrei, auch der Sex. Ach.
Toucha, toucha, touch me, I
wanna be dirty
Seit es das Internet
gibt sind die Menschen weitgehend von der Vögelpflicht befreit, der Trend geht
mehr und mehr zum "virtual sex". Das meint jetzt weniger das
klassische Sich-einen-abwichsen anhand einer zweckmäßigen Vorlage, sondern
vielmehr das wechselseitige Masturbieren via Webcam. "Oh ja, Erwin, ramm
ihn mir rein" stöhnt die holde Hilde in Wien-Ottakring, während ihr der in
Hamburg-Ottensen ansässige Erwin dabei zusieht, wie sie sich ein irgend geartetes
Stangerl ins Möserl steckt und sich seinerseits 1 abrubbelt. Ich mein,
"Romeo und Julia" ist eine Geschichte mit Happy-End im Vergleich.