6.5.14

Rollende Panzer durch Österreich

Wenn du nicht alles, WIRKLICH ALLES, nachprüfst, dann glaubst du Sachen, das glaubst du nicht.

Im Netz kursiert derzeit ein Video, in welchem sich der österreichische rechtskonservative EU-Parlamentskandidat Ewald Stadler über Panzertransporte in die Ukraine (via Ungarn) mitten durch das neutrale Österreich echauffiert.


"Da rollen sie dahin, frag mich nicht wohin. Aber wir finden's raus", sagt eine Stimme am Ende des Videos.
Ich habe es rausgefunden.

Man sieht eine ganz charakteristische Hausfassade mit mehreren überhängenden Gebäudeteilen, bei 0:17 sec sieht man in dem Video auf dem Dach des Gebäudes den Schriftzug ÖGB. Ein bißchen gegoogelt und ich weiß, daß es sich um das relativ neue ÖGB-Gebäude am Johann-Böhm-Platz 1, Ecke Handelskai handelt.


 Die wenigsten werden den Stadtplan von Wien so gut im Kopf haben, daß sie sich orientieren können. Ein wesentlich größerer Ausschnitt schafft Abhilfe.

Zurück zum Video. Das Video ist von der Donauseite des Handelskais aufgenommen worden - und der Zug rollt von links nach rechts, also donauaufwärts. Dort aber liegt nicht Ungarn, sondern Deutschland.
Südöstlich vom ÖGB-Haus liegt der Wiener Stadtteil Simmering. Dort liegt ein Werk der Steyr GmbH, die Firma stellt unter anderem was her? Richtig: Panzer. Vom Steyr-Werk in Simmering (im untenstehenden Bild kenntlich durch das graue Quadrat mit Buchstaben "A", ganz rechts unten). Vom Steyr-Werk führt eine Bahnlinie zur Donau, dort geht’s dann links ab, an Donau und Handelskai entlang Richtung Nordwesten.

Schlaue Leute, die viel, viel mehr von Panzern verstehen als ich, meinten: "Wie wir erfahren haben, handelt es sich hierbei um niederländische Panzer die angeblich auf dem Weg zu einer NATO-Übung in Ungarn gewesen sein sollen." Andere wiesen drauf hin, daß die Panzer keine Hoheitsabzeichen trügen, was auf finstere Absichten schließen ließe. Anmerkenswert dazu ist, daß die Panzer ohne Abdeckplanen oder sonstige Tarnung mitten durch die Großstadt Wien transportiert werden.
Nach dem, was wir inzwischen wissen, handelt es sich bei den angeblichen Panzertransporten in die Ukraine um die Lieferung fabrikneuer Panzer an die Holländer. Daß keine Hoheitszeichen drauf sind versteht sich, die wollen sich die Holländer selber draufpicken. Und Tarnung braucht's natürlich auch nicht, weil es sich um eine ganz normale Exportsendung der Schluchtenjodler an die Kaasköppe im fernen Norden handelt.

28.4.14

Philosoph oder Bulle?

Adorno Wieviele Adornos kann diese Welt tragen?

Die Wikipedia verrät uns, wie jedes andere Lexikon auch, daß der Philosoph Theodor W. Adorno am 6. August 1969 im Alter von 66 Jahren gestorben ist.
Einerseits.
Andererseits taucht Theodor W. Adorno im Tatort "Es ist böse" aus dem Jahre 2012, als Leiter der Neuen Frankfurter Kriposchule auf. Verhält es sich mit ihm wie mit King Elvis und Michael Jackson? Kann er als Untoter keinen Frieden finden und muß sich jetzt als Schauspieler durchfretten?
Darf man dergleichen als ein als rational sich verstehender Mensch auch nur denken?  [1] Man darf es natürlich nicht.

Wer ist der richtige Adorno? Je länger ich nachdenke, desto unsicherer werde ich.
Der Untere sieht mehr nach Bulle aus - hypnotischer Blick: "Gestehen Sie endlich, wir werden Ihnen den Mord nachweisen, wir haben Beweise." Der Obere hat mehr diesen gelassenen Philosophenblick: "Das Sein, ja mei, mit dem Sein wird's vielleicht was sein. Schaumermal."
Andererseits ist der Obere bunt und der Untere schwarz-weiß, was drauf hindeutet, daß das untere Bild älter ist....
Jetzt wär natürlich ein richtiger Philosoph recht, einer mit Diplom, ein Diplom-Philosoph mit Philosophen-Diplom. Den schickten wir dann los und wen der küßt, das ist der echte Adorno.

[1]        Man beachte das adornotypische postponierte Reflexivum! Ich bin so gebildet, ich könnte in einer Tour mich selber vor Begeisterung küssen.

19.4.14

Lachen

Der Franze hat gsagt, der Xaver wenn das noch hätt erleben können, sagt er, der hätt sich totgelacht.

20.2.14

Mein Verschwinden aus der FREITAGs-Community


Am 8. Januar habe ich eine E-Mail der FREITAGs-Moderation erhalten, in der mir mitgeteilt wurde, daß mein Account für drei Monate gesperrt sei, und zwar wegen wiederholter Verstöße gegen die FREITAGs-Community-Regeln. Ich hätte Moderationsentscheidungen mißachtet, fremdenfeindliche Äußerungen getan und vieles andere mehr, was nicht näher spezifiziert wurde.
Die Sperre dauert drei Monate, weil ich bereits zum dritten Mal gesperrt wurde, erst wegen sexistischer Äußerungen, später dann wegen Rassismus und jetzt also wegen Fremdenfeindlichkeit.

Ich gehe mal (da mir sonst nichts einfällt) davon aus, daß sich die Mißachtung von Moderationsentscheidungen auf meinen bereits gelöschten Beitrag "Allfällige Ergänzung" bezieht, der folgendermaßen zustande kam:
Matthias Dell hatte einen Beitrag zum Thema "Rassismus" geschrieben, der kurz darauf von ihm selbst (davon bin ich jedenfalls ausgegangen) für Kommentare gesperrt wurde. Dann hat MopperKopp seinen Beitrag geschrieben, der ebenfalls nach kurzer Zeit für Kommentare gesperrt wurde. Für mich war es klar, daß die Kommentierfunktion von MopperKopp selbst deaktiviert wurde, etwas anderes schien mir keinen Sinn zu machen. Ja gut, auch die Deaktivierung durch MopperKopp selbst war mir ziemlich sinnlos erschienen. In anderen Blogs tauchten Vermutungen auf, es sei die Deaktivierung von der Moderation veranlaßt worden, aber sowohl MopperKopp als auch die Redaktion haben dazu geschwiegen (zumindest habe ich nichts Gegenteiliges mitbekommen).
Mein Blogbeitrag "Allfällige Ergänzung" war, wie gesagt, von einer Deaktivierung der Kommentierfunktion durch MopperKopp ausgegangen. Sollte es anders gewesen sein: Das kommt davon, wenn man nichts begründet oder auch nur mitteilt. Wo die Information fehlt, wuchern Vermutungen und Gerüchte. Wo die Information fehlt, daß und warum ein Blogbeitrag oder ein Blogger sanktioniert wurde, ist es übrigens auch unmöglich, sich auf die Vorgaben der Moderation einzustellen, da man diese ja gar nicht kennen kann. Der Vorgang erinnert ein wenig an die Schwarze Pädagogik. Das Kind, das eben unvermutet eine Schelln bekommen hat, frägt nach und bekommt zur Antwort "Du werst scho wissn warum".

Auf der Suche nach der mir unterstellen Fremdenfeindlichkeit mußte ich erst meine im FREITAG veröffentlichten Kommentare der letzten Zeit durchforsten. Die einzige Äußerung, bei der ich auch nur annähernd ein Mißverständnis vermuten konnte, war diese: "Das Wort 'Ausländer' hatte (und hat, wie ich fürchte) nur dann einen negativen Beigeschmack, wenn es sich um Nicht-Deutsche aus anrüchigen Ländern handelte, aus dem Osten oder Süden kommend, mehr oder weniger dunkle Hautfarbe. Es ist nie einer auf den Gedanken gekommen, Österreicher, Australier oder (weiße) Amerikaner auszuweisen."
Vielleicht waren es ja tatsächlich die "anrüchigen Länder". Für den verständigen Leser aber war das ersichtlich eine sarkastische Beschreibung meinerseits, nicht mein Ton. Deutlich wird dies aus dem Einschiebsel "wie ich fürchte".

Am 9. Januar habe ich eine E-Mail an die Moderation geschrieben, in der ich genau die oben geschilderten Mißverständnisse darlegte. Ich bat um einen klärenden Rückruf oder sonst eine Reaktion. Eine knappe Woche verstrich, ohne daß sich was getan hätte. Ich rief erneut an und Herr Kosok ließ mir ausrichten, ich würde im Laufe der folgenden Woche eine Rückmeldung erhalten. Die Woche verstrich, nach mehreren weiteren Anrufen erhielt ich dann am 30. Januar eine weitere E-Mail. Ich hätte, hieß es dort, trotz mehrfacher Ermahnungen erneut eine Debatte zum Wort "Neger" vom Zaun gebrochen, diese Diskussion sei eskaliert, User hätten sich mehrfach über meine Beiträge bzw. Kommentare beschwert.
Dieser Vorwurf ist grotesk, und zwar deswegen, weil ich nämlich nichts dergleichen getan hatte. Die oben genannte Debatte habe nicht ich wieder aufgenommen, sondern der Redakteur Matthias Dell, in dessen Blogbeitrag ich übrigens, des leidigen Themas überdrüssig, nicht mitdiskutiert hatte.
Man dulde, fuhr man fort, eine Diskussion dieses Themas auf diesem Niveau und mit dieser zwanghaft anmutenden Vehemenz nicht.
Tags darauf habe ich die Moderation um die komplette Löschung meines Accounts gebeten, was prompt erledigt wurde.

26.1.14

Die SoKo 5113 und die Literatur

Theater light


Im Februar 2010 lief im Fernseh eine weitere Folge von "Soko 5113", der Titel war "Unter der Eiche".

Mord auf dem Land. Ein Großbauer wird unter einer alten Eiche erschlagen aufgefunden. Die Dorfbewohner verhalten sich gegenüber der ermittelnden Polizei sehr reserviert, gelegentlich läuft eine ältere, distinguierte Dame durchs Bild und erzählt, sie sei aus Sylt und verbringe hier ihren Urlaub.

Der Ermordete erweist sich als der Herr des Dorfes, die meisten dort sind bei ihm hoch verschuldet, er hat einen Beratervertrag für eine Entsorgungsfirma, die dort illegal Giftmüll abkippt, geplant ist ein Riesenprojekt für ein Feriendorf auf dem Gelände der Gemeinde.

Was soll ich erzählen? Am Schluß jedenfalls stellt sich heraus, daß die alte Dame aus Sylt aus dem Dorf stammt, daß sie vor 40 Jahren von dem ermordeten Großbauern vergewaltigt und anschließend aus dem Ort weggegrault wurde, weil sie die Dörfler ständig an ihre eigene feige Haltung gegenüber dem Großbauern erinnert hat. Das ganze Dorf hat damals von der Vergewaltigung gewußt, aber keiner wollte etwas wissen. Die Dame hat reich geheiratet, ist nun Witwe, sie erweist sich als Besitzerin sowohl der Entsorgungsfirma als auch der Holding, welche den Ferienpark errichten will.

Sie hat den Leuten aus dem Dorf mitgeteilt, sie bekämen das Projekt nur, wenn sie dafür den Großbauern erschlügen, es sei ihr egal, wer das mache, irgendeiner halt.
Das ganze letzte Drittel des Films über, als sich die Lösung allmählich abzeichnete, habe ich drauf gewartet, daß einer der Kriminaler zum anderen sagt, daß ihm die Geschichte bekannt vorkäme. Nichts. Da krallt sich ein Drehbuchautor den Plot von Dürrenmatts "Besuch der Alten Dame", weiß Gott kein unbekanntes Stück, und glaubt, er käme damit durch.

Nun haben sie wieder zugeschlagen, in der Folge "Bis daß der Tod euch scheidet" vom Mai 2013. Die eigentliche Krimihandlung - ein Student wird erschlagen aufgefunden - spielt nur eine Nebenrolle. Der Doktorvater des Studenten wird in seiner Wohnung befragt, seine Ehefrau ist anwesend. Das alternde Ehepaar liefert sich, reichlich Whisky nachschüttend, vor den beiden Kommissaren, einem jungem Mann und einer jungen Frau, eine Zimmerschlacht zwischen Haß und Liebe. Mehr und mehr steigern sich die Eheleute, reichlich Whisky nachschüttend, darin, sich wechselseitig vorzuführen, lächerlich zu machen und zu demütigen. Dieses Ehedrama (das für die Krimihandlung relativ nebensächlich ist, das Geständnis des Ehemannes erweist sich als falsch) nimmt den weitaus größten Teil des Films ein.

Herrgottsnein, denke ich beim Zuschauen, die Szenen kennst du doch, was war das nur. Dann fällt, zum wiederholten Male, der Name der Frau: Martha. Ich schlage in der Personenliste nach und tatsächlich: der Mann heißt Georg. Ah, jetzt wußte ich es.

Hat's klick gemacht? Wer erst mal selber in Ruhe rätseln will, soll dies tun. Wer nicht auf die Lösung kommt, darf sie hinter diesem Link aufdecken.

12.1.14

Erschleichung des außerehelichen Beischlafs

Aus der jüngeren Geschichte des Rechts


§ 179 StGB
Wer eine Frauensperson zur Gestattung des Beischlafs dadurch verleitet, daß er eine Trauung vorspiegelt, oder einen anderen Irrtum in ihr erregt oder benutzt, in welchem sie den Beischlaf für einen ehelichen hielt, wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren bestraft.
Sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt Gefängnißstrafe nicht unter sechs Monaten ein.
Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein.


Nein, das ist kein Scheiß, den ich mir ausgedacht habe. So stand das von 1871 bis 1969 im Strafgesetzbuch des Deutschen Reiches, der Weimarer Republik, des Dritten Reiches und der Bundesrepublik Deutschland.
Die Typen früher haben sich anscheinend noch wirklich Mühe gegeben, eine Frau flachzulegen. Wie armselig läuft das dagegen heute...

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...