1.1.09

Lippe Lappe - Scheiß ins Kappe

Der V. Scherge kannte ein höchst eigenartiges Spiel, welches hieß "Lippe Lappe - Scheiß ins Kappe" (Lippel-Lappel, kack in die Mütze).

Man brauchte dazu den Lippe, einen drei, vier Zentimeter dicken (runden) und vielleicht 10 cm langen Zweig, der an beiden Enden ziemlich scharf zugespitzt war. Dann gab es noch den Lappe, einen etwa (kinder-)armlangen Stock aus dem gleichen Zweig, der an einem Ende etwas abgeschrägt war. Mit diesem Ende grub man in die Erde eine nicht sonderlich breite, nicht sonderlich tiefe und auch nicht sonderlich lange Rille.

Der eine Spieler, der dran war, legte den Lippe über die Rille und mußte dann diesen mit dem Lappe so weit nach vorne schleudern als nur irgend ging. Die anderen Mitspieler standen dort, nach eigenem Belieben verteilt und mußten den Lippe auffangen, dafür gabs dann Punkte. Einige, wenn man ihn mit beiden Händen auffang, schon mehr, wenn dies nur mit der rechten Hand geschah, für die Linke gabs noch mehr und nochmal mehr, wenn man ihn weggköpfelte. Die Megapunktezahl war fällig, wenn man den Lippe (mit seinen beiden Spitzen!) mit dem Mund auffing. Unglaublich, aber ich weiß, daß es der V. Scherge ein paarmal geschafft hat.

Nur der V. Scherge.

Ob man nun den Lippe erwischt hat oder nicht, im zweiten Schritt mußten dann die anderen Mitspieler diesen Lippe von ganz weiten hinten nach und nach so weit nach vorne bringen, daß der letzte Wurf den Lippe unter den Lappe beförderte, der inzwischen über die Rille gelegt worden war.

30.12.08

Uhrenvergleich

Der Franze hat gsagt, dem Alise seine Uhr ist zwar größer und goldener als seine, aber seine, sagt er, geht schneller.

Zitate

Wer Zitate nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte Zitate sich verschafft und in Umlauf bringt, wird mit Unsterblichkeit nicht unter drei Jahren bestraft.

aus der Halskrausordnung von Karl III.

Sauber

Kaum hast du deine Wohnung gekehrt, hast allen Staub auf deiner Schaufel drauf, da genügt ein winziges Hüsterchen, ach was: ein unbedachter Atemzug und der Staub ist wieder weg. Es scheint, als würden wirklich, wie es in der Werbung heißt, nur die allerzartesten Flöckchen zu Staub verarbeitet.

28.12.08

Würde

Vor langer, langer Zeit gab es mal eine Zeit, da ich regelmäßig "DIE ZEIT" las. Die Reisebeilage habe ich selbst damals nur rasch überblättert, bei obigem Bild aber bin ich schon beim Blättern hängengeblieben.

Dem zuständigen Redakteur schien das Bild nicht mehr bedeutet zu haben, als eine kleine Kuriosität am Rande, das legt die eher harm­los spöt­teln­de Unterzeile nahe:

"Je pittoresker, desto besser: Touristen in Tibet".

Der Mann ist vielleicht ein tibetischer Mönch, wahrscheinlich aber ganz einfach ein al­ter Tibeter in der landesüblichen Tracht. Er muß sich die kleine Steigung des Weges recht mühsam hoch kämpfen, tut dies aber auf eine ruhige Weise, die ihn zwar lang­sam aber eben doch vorankommen läßt. In der linken Hand hält er eine Ge­betsmühle, gewohnheitsmäßig, wie zu vermuten ist. Jedenfalls macht er das, was immer er macht, mit großer Ruhe und bewundernswerter Würde.

Und dann die beiden fotografierenden, filmenden Touristen, die den alten Mann gestellt haben wie ein zu jagendes Wild. Die sich vor ihn hin­stellen und ihm die Kameras vor's Gesicht halten, als wäre er nichts an­deres als eine Hausfassade oder ein interessantes Detail an einem Brun­nen. Sie gehen auf eine schamlose Art und Weise an den Al­ten heran, die sie sich zuhause - wetten! - nie und nimmer trauen wür­den.

Ich bin sonst ein wenig allergisch gegen das Wort "Würde", es ist gar zu abgelutscht und oft mißbraucht. Hier erscheint es mir angebracht. Geschändete Würde.

25.12.08

Silberhochzeit


Der Franze hat gsagt, wenn er Silberne Hochzeit feiert, dann geht er zum Unterwirt und sauft sich einen Rausch an. Falls er, sagt er, bis dahin eine Frau findet.

20.12.08

Froh zu sein bedarf es wenig...


Ich war nicht wenig schockiert, als ich damals, am 30. Juli 1987, in der "taz" dieses Bild entdeckte. Die "taz" verwendete es dazu, einen Artikel über deutsche Filmkritiker und ihre liebste Themen zu illustrieren. Das Bild bietet sich ja auch als ironischer Kommentar zum Thema an: Ein Haufen dumpfer, stumpfer Männer in einem dumpfen, stumpfen Kino in Erwartung eines dumpfen, stumpfen Films.
Woher aber dann mein schockierte Reaktion?
Ich hatte ein Bild, das ich mehr als zwanzig Jahre nicht mehr gesehen hatte, sofort wiedererkannt. Als Schüler hatte ich, um mein Englisch zu üben, die Zeitschrift "Life" abonniert, das Bild illustrierte einen Artikel über Rassismus im Süden der USA. Der Mann mit übereinandergeschlagenen Beinen, der sich auf dem Photo gerade aus der Tüte "Red Man" bedient, wurde im Gerichtssaal photographiert, angeklagt des Mordes an drei jungen Leuten, 1964.
"Let's have some Red Man", hatte er gefeixt und so stand es auch unter dem Bild damals in "Life", das während der Anklageverlesung aufgenommen worden war. Hinter ihm sitzen seine Sympathisanten (oder Mittäter) und alle sind sich ganz unheimlich sicher, daß ihnen nichts passieren wird, daß sie auf jeden Fall freigesprochen werden. So, wie es dann auch gekommen ist.
Der Mann war übrigens Sheriff.
In Vorbereitung dieses Beitrags habe ich ein wenig im Internet recherchiert Ein amerikanischer Maler namens Philipp Morsberger, so erfuhr ich, hat nach diesem Pressephoto ein Ölgemälde erstellt, mit dem Titel "Hey, Let's Have Some Red Man! (The Arraignment".
Dieses Photo ist einer der obszönsten Bilder, die ich je gesehen habe.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...