1.12.25

Die schöngeflötete Reichskristallnacht

Seit den achtziger Jahren erscheint vielen wohlmeinenden Menschen in Deutschland der Begriff "Reichskristallnacht" als bedenklich, da er ein Euphemismus sei und ein völlig falsches Bild vermittele. Er lasse die Pogrome der Nacht von 9. zum 10. Nov. 1938  wie eine festlich glitzernde Ball-Veranstaltung erscheinen.

Schon als Kind ließ mich die Formulierung "Reichskristallnacht" nicht an eine festliche Ballveranstaltung denken, sondern an die vielen Glasscherben von kaputten Schaufensterscheiben auf den Straßen.

Das Wort "Reichskristallnacht" wurde "bis 1988 völlig problemlos verwendet (...). Ganz ohne Anführungsstriche oder anderen Distanzmarkern. Erst mit der Rede des Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger wurde „Reichskristallnacht“zum Problem und abgelöst durch Begriffe wie "Juden-Pogrom" oder "Reichspogromnacht". Dabei ist der Begriff "Reichskristallnacht" nicht von den Nazis geschaffen worden, erklärt (der Germanist) Thorsten Eitz. Vielmehr fand er Belege,„dass (der) Berliner Kabarettist Werner Finck das geprägt hat, und für die Verwendung und Prägung des Ausdrucks von den Nazis auch in den Knast gesteckt worden ist.

Deutschlandfunk Kultur

"Die erste nachgewiesene gedruckte Verwendung datiert vom 11. November 1945, als die „Berliner Zeitung“ das Wort benutzte, und zwar in Anführungszeichen. Schon kurz zuvor hatte der „Tagesspiegel“ darauf hingewiesen, dass die Pogrome„im Volksmund ,Kristallwoche’ genannt“ worden seien. (...) In der Propagandasprache der NSDAP taucht das Wort sowenig auf wie in internen Gestapo-Berichten; hier war meist von der „Judenaktion“ die Rede.

(...)

Nicht einmal der Journalist und Sprachexperte Dolf Sternberger, der unmittelbar nach 1945 begonnen hatte, die Deutschen über menschenverachtende Formulierungen „Aus dem Wörterbuch des Unmenschen“ aufzuklären, vermochte den Ursprung des Wortes aufklären: 'Mir ist in Gesprächen gelegentlich die Vermutung begegnet, die Täter selbst hätten das Wort erfunden. Und es ist wahr, man könnte auch ein Interesse am Euphemismus heraushören.' Doch glaubte Sternberger nicht, dass das Wort ,Reichskristallnacht’ „einer nationalsozialistischen Schnoddrigkeit“ seine Entstehung verdankt: 'Das Verwegen-Lustige daran wäre dem Göringschen Milieu zwar durchaus zuzutrauen, nicht aber der Jux mit dem ,Reich’.([1]) Diese Zusammensetzung hat ja auch eine höhnische Note, indem sie das parteiamtliche und das reichseinheitlich Durchorganisierte des Vorgangs blitz- und witzhaft kenntlich macht. Kurz, die Vermutung spricht am ehesten für den anonymen Volkswitz, zumal den Berlinischen. Beweisen lässt sich diese Annahme freilich nicht.

Im Jahr 1978 schlug der damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Thüsing vor, statt von „Reichskristallnacht“ besser von „Reichspogromnacht“ zu sprechen. In Deutschland hat sich dieser politisch korrekte Begriff seit 1988 zunehmend durchgesetzt, obwohl ihm im Gegensatz zur Prägung "Kristallnacht" jede Authentizität fehlt. In anderen Ländern wird jedoch weiter von der „Crystal night“, der „Nuit de Crystal“ oder der „Notte dei Cristalli“ gesprochen."

Berliner Morgenpost

Wie zuvor schon die Abschaffung des Wortes "Neger" so ist auch die schön­flötende Tabuisierung des Wortes "Reichskristallnacht" eine Art parfümierter Nebel, der wichtige Zusammenhänge verschleiert.

Der Franze hat gsagt



[1]   In diesem Zusammenhang sei an die "Reichswasserleiche" Kristina Söderbaum erinnert. Ihr Tod im Wasser am Ende zweier ihrer melodramatischen Filme ("Jugend" und "Jud Süß") brachte ihr diesen Spottnamen ein.

20.11.25

Streng vegan

Ich bin ein Mensch, dessen Gedanken beständig um Alkohol kreisen, also ein Alkoholphilosoph, ein Alkosoph, wenn man es knackig kurz formulieren will.

Wir alle wissen - oder könnten und sollten es doch wissen -, daß  Alkohol streng vegan ist, Muttermilch dagegen nicht. Verantwortungsbewußte Eltern verweigern ihren Babies deshalb die Brust und stillen die Kleinen von der Nabelschnur weg mit Schnaps. Amerikanische Wissenschaftler (wer sonst?) haben festgestellt, daß Menschen, die als Babies mit Wodka gestillt worden sind, wesentlich seltener heroin- oder kokainsüchtig werden als konventionell großgezogene Menschen.

3.11.25

Migrationshintergrund

Ein altes Scherzwort sagt: Jede vierte Person in Deutschland und erst recht in Österreich [1] hat einen Migrationshintergrund. Das ist nicht wirklich und grunz-sätzlich falsch, genaugenommen aber sind es natürlich sehr viel mehr als 25 %. Kriegsflüchtlinge oder Heimatvertriebene etwa, die vor 1948 in das Gebiet des heutigen Deutschland gekommen sind, wurden lange Zeit nicht als Zugewanderte eingestuft [2]. Seit 2016 ist das anders. "Die Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges und ihre Nachkommen gehören nicht zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund, da sie und ihre Eltern mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren sind", heißt es seitdem im deutschen Recht.

Das ist natürlich eine kackendreiste Lebenslüge, denn die sudetendeutschen Heimatvertriebenen [3] etwa sind durch die Bank nicht als deutsche Staatsbürger geboren worden. Meine eigenen sudetendeutschen Vorfahren etwa waren allesamt österreichische und später dann tschechoslowakische Staatsbürger. Mein Vater, Jahrgang 1912, hat zum Beispiel in jungen Jahren noch gegen die Deutschen gekämpft. Sein Heimatort Braunsdorf (heute Brumovice) war zwei Kilometer von der Grenze zum seinerzeit noch deutschen Schlesien entfernt. Die damaligen Kinder haben sich immer mal wieder am Grenzfluß Oppa gegenüber gestanden, haben sich rituell beschimpft [4] und mit Lehmbatzen und dergleichen beworfen. So gesehen bin auch ich eine Person mit Migrationshintergrund, ebenso meine beiden Söhne, da auch die Familie meiner Frau komplett aus dem Sudetenland stammt. Was ich damit sagen will: Du brauchst keine Tschuschen, Polacken oder Kanacken um andere Leute zu hassen, in deinen eigenen Landsleuten findest du hinreichend Material, sie zu verachten und - ja, klar - zu hassen.

Es braucht weder eine andere Sprache oder Kultur oder Religion. Die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg haben viele Jahre gebraucht, mit den Einheimischen leidlich klarzukommen, trotz gemeinsamer Sprache, Kultur und Religion. Die Heimatvertriebenen bekamen Lastenausgleich, das heißt sie wurden für das verlorene Vermögen in der Alten Heimat entschädigt und natürlich wurden sie durch die Bank verdächtigt, ihr auszugleichendes Gütle im Sudetenland auf betrügerische [5] Art und Weise nach Ausländerart größer gemacht zu haben, als es früher jemals gewesen war.

In Eggenfelden (Niederbayern) - damals ca. 8.000 Einwohner - wurde am Bürgerwald eine eigene Siedlung mit bescheidenen Häuschen für die Neubürger erbaut, die dort lebenden Kinder wuchsen fast ausschließlich unter ihresgleichen auf und die wenigsten konnten sich so als Niederbayern integrieren, sie haben den örtlichen Dialekt nie erlernt. Mein Vater hatte eine Metzgerei mit Gastwirtschaft gepachtet, um uns rum weitläufig nur niederbayerische Einheimische, ich wußte als Kind lange Zeit nicht, daß ich eigentlich ein Fremdling war. Mit den anderen Kindern bin ich seinerzeit gegen die Bürgerwaldsiedlung gezogen, habe die dortigen Kinder beschimpft und mit Lehmbatzen beworfen. "Der Franze hat gsagt, wegen ihm bräucht's keine Ausländer zu geben. Er, sagt er, wäre sich selber fremd genug." In einem der frühen Asterix-Hefte findet sich der zitierenswerte Satz: "Ich habe nichts gegen Fremde, einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden sind nicht von hier."

Apropos "Migrationshintergrund": Der Begriff "Person mit Migrationshintergrund" wurde in den neunziger Jahren geprägt, um zunehmend als abwertend empfundene Wörter wie "Gastarbeiter", "Ausländer" etc. pp. zu ersetzen. Mit "Ausländer" meint man - und das bis heute - umgangssprachlich ja nicht Österreicher, Dänen oder Franzosen, sondern Türken, Araber oder Schwarze, also nur jene Ausländer, die aus den hochverdächtigen Ländern kommen. Früher war die hochverdächtige Himmelsrichtung der Süden (das fing schon mit Italien südlich von Rom an, wahlweise auch südlich von Rovereto), heute ist der Osten dazu gekommen, von der Slowakei bis nach (fast) Alaska.

Die Nationale Armutskonferenz hat eine Liste sozialer Unwörter erstellt. Darin taucht 2012 auch das Wort "Person mit Migrationshintergrund" auf, in einer Reihe mit "Sozialschmarotzer". Nicht einmal 20 Jahre hat es gedauert, bis aus dem schönen, manierlichen Ersatzwort für "Ausländer" seinerseits ein Unwort geworden ist. Die Euphemismus-Tretmühle war wieder mal wirksam geworden.

Was eine Euphemismus-Tretmühle ist? "Die Euphemismus-Tretmühle (engl. euphemism treadmill) ist eine sprachwissenschaftliche Hypothese. Sie besagt, dass jeder Euphemismus irgendwann die negative Konnotation seines Vorgängerausdrucks annehmen wird, solange sich die tatsächlichen Verhältnisse nicht verändern. Häufig handelt es sich bei den betroffenen Ausdrücken um gesellschaftlich relevante und konnotativ aufgeladene Begriffe. So werden etwa ethnische Minderheiten wiederholt mit neuen Wörtern benannt, um negative Assoziationen zu vermeiden."

Der Begriff der „Euphemismus-Tretmühle“ wurde vom US-amerikanischen Psychologen Steven Pinker in die Wissenschaft eingeführt. Pinker hatte nämlich beobachtet, dass euphemistische Wortneubildungen alle negativen Assoziationen jener Wörter aufnahmen, die sie ersetzten, also eine Bedeutungsverschlechterung erlebten. Nach Pinker zeige die Euphemismus-Tretmühle, dass nicht Wörter wie variable euphemistische Bezeichnungen, sondern Begriffe im Geist des Menschen primär (vorrangig) seien. Deshalb bewirkten diese primären Begriffe die Bedeutungsübertragung auf die sekundären (nachrangigen) Bezeichnungen.

Ich werde es wahrscheinlich nicht mehr erleben, ansonsten würde ich eine Wette anbieten: In 15, spätestens 20 Jahren wird "Afro-Deutscher"/"Afro-Amerikaner" etc. pp. auf der Liste der zu vermeidenden Unwörter stehen.



[1]      Das, was heute unter dem Begriff "multikulti" läuft hieß noch vor 107 Jahren "österreichische k.u.k.-Donaumonarchie". In Bosnien-Herzegowina, das damals österreichisch war, gab es ein Siedlungsgebiet, das bis heute fast ausschließlich von Moslems bewohnt war. 1912 erließ die Regierung in Wien deshalb ein sogenanntes Islamgesetz, welches die Rechte und Pflichten von Moslems in Österreich regelte. Fun-Fact am Rande: Das Islamgesetz ist immer noch gültig. Jeder in Österreich lebende Moslem, hat demnach das Recht, ein bis zu 60 cm langes Messer (vulgo "Kurzschwert") mit sich zu führen. Tötet er damit einen nicht-islamischen Österreicher bleibt er straffrei.

[2]      In Österreich dürfte es nur unwesentlich anders gewesen sein.

[3]      Spontan fallen mir auch noch die Donauschwaben in Rumänien ein, die sich ebenfalls als schon eigentlich auch deutsch verstehen. Ach ja, daß ich die Wolga-Deutschen (seit der Zwangsumsiedlung durch Stalin auch Kasachen-Deutsche genannt) nicht vergesse.

[4]      Dummerweise haben sie die gleiche Sprache gesprochen, konnten also die gegenseitigen Beleidigungen verstehen, was nie gut ist.

[5]      Es waren ja Fremde, die meisten sogar Ausländer.

Wasser trinken - leicht gemacht

1. Öffne deinen Hals

1.1. Leg deinen Kopf in einem 45-Grad-Winkel zurück. Dein Hals sollte beinahe vertikal sein. Leg den Kopf so weit in den Nacken, dass das Wasser allein durch die Schwerkraft in deinen Magen fließt. So musst du keinen einzigen Muskel bewegen, um das Wasser aktiv zu trinken. Es läuft einfach in dich hinein und du solltest dadurch besonders schnell trinken können.

1.1.1. Lass den Kopf im Nacken, bis du mit dem Trinken fertig bist. Wenn du dich bewegst, während das Wasser noch durchläuft, könnte der Wasserfluss durch Muskelkontraktionen verlangsamt werden und du verschluckst dich.

1.1.2. Trink niemals im Liegen. In einer horizontalen Position fließt das Wasser wesentlich wahrscheinlicher in deine Luftröhre und du verschluckst dich.

Obigen Text habe ich mir natürlich nicht ausgedacht, so viel Phantasie hätte ich gar nicht. Der Text ist pures und echtes und wahres Internet.

Es ist unglaublich, was du in Internet-Tutorials alles lernen kannst und unterm Lernen frägst du dich, wie die Leute vor dem Internet so ganz ohne Wasser überlebt haben. Die Antwort ist leicht: All die vielen, vielen internetlosen Leute von früher sind in Wirklichkeit tot oder werden es in Kürze sein.

Ich habe bei Gelegenheit dieses Blogbeitrages im Umfeld rescherschiert und bin auf diesen lehrreichen Dokumentarfilm gestoßen. Wie oft hab ich mich nicht schon gefragt, wie man es anstellt, zwei Flüssigkeiten zusammenzugießen, jetzt weiß ich es.

Weiters bin ich noch auf diesen Dokumentarfilm gestoßen, der Hausfrauen (m/w/d) interessieren könnte. Ein wirklich faszinierendes Gericht, dieses Rührei. Leider konnte ich es nicht nachkochen, da ich in meinem süddeutschen Haushalt keine Fanne gepfunden habe. Der Schluß des Filmes ist insofern interessant, als der Lehrkoch anscheinend bislang noch nicht auf die Idee gekommen ist, das fertige Rührei auf den Teller gleiten zu lassen, indem er die Fanne schräg hält.

P. S.: Ich gehöre übrigens einer anderen Rührei-Sekte an, ich verquirle die rohen Eier vor der Fanne und schütte dann erst das Geschleime in die Fanne (in Süddeutschland - ich erwähnte es bereits - verwenden wir allerdings Pfannen, keine Fannen. Bei uns wird - anders als in Berlin oder Hannover - die deutsche Sprache gepflegt).

18.9.25

Gebackte Bienen


Vom Segen des Kotzbeckens

Oh, wie schön, ein Kotzbecken, die wahrscheinlich nützlichste Einrichtung seit der Erfindung des Arschenbechers (nein, Arschenbecher ist kein Tippfehler). Ich weise euch auf den links neben dem Becken montierten Haltegriff hin, mit dem verhindert werden soll, daß der sich Übergebende mit dem Gesicht im eigenen Erbrochenen landet. Solche Haltegriffe findet man auch gerne an den Becken der Pissoirs in Bierzeltnähe. Vor 40 Jahren habe ich dergleichen auch im Pissoir für Bedienstete in einer JVA (Gefängnis) gesehen.

Herr Kotzen auf Kotzen im Havelland,
In seinem Garten ein Kotzbecken stand.

 Jagdkotze


Gesund- und Weisheit

Eine stabile Gesundheit ist nur die langsamste Art des Todes.

UNBEKANNTER MEISTER

11.9.25

Warum muß er jobben?


Zwei Fragen bleiben:

1. Ist der Typ auf dem Plakat der Münchner Verkehrsbetriebe der Sohn oder der Enkel von Elon Musk?

2. Warum muß er sich bei dieser Verwandtschaft als Werbe-Model beim Anheuern von U-Bahn- und Trambahnfahrern verdingen?

Wie das Böse in die Welt kam und warum es blieb

In dem Schwarz-Weiß-Film "Der Haustyrann" aus dem Jahre 1959 spielt Heinz Erhardt einen gestreßten Kaffeehausbesitzer. Beim Mittagstisch macht der kleine Junge eine freche Bemerkung über seinen Vater und fängt sich dafür eine (eher symbolische) Watschn ein. Zu seiner Tante, die ihn trösten will, meint der Junge schluchzend: "Wenn ich mal groß bin, dann hau ich meine Kinder auch."

Viel mehr an Weisheit kannst du aus der Psychologie nicht herausholen.

Leander Grönlein und die Dichtkunst

Der Einfachheit halber zitiere ich aus einer wahrscheinlich autobiographischen Erzählung eines gewissen Leander Grönlein:

"Über seinen geliebten Büchern sitzend, träumte der achtjährige Korff davon, einst Dichter oder Schriftsteller zu werden. Den Unterschied zwischen beidem erhoffte er im Laufe seiner Karriere noch herauszubekommen.

Schon in der Volksschule hatte man entdeckt, daß er ganz wunderhübsche Aufsätze schreiben konnte, mit einem wirklich erstaunlichen Wortschatz für so ein Kind und überhaupt, diese Eleganz und dieser Einfallsreichtum im Ausdruck...

Die Aussicht, dereinst auf Lesungen bewundert und vom Fernsehen zu Diskussionen eingeladen zu werden, hatte für den fünfzehnjährigen Korff etwas ungemein Verlockendes. Die mit dem Beruf des Schriftstellers ‑ oder Dichters, den Unterschied hatte er immer noch nicht herausbekommen ‑ verbundene Möglichkeit, zuhause, und also an jedem beliebigen Ort der Erde arbeiten zu können, nahm er als zwar nicht wesentlichen, aber doch angenehmen weiteren Vorteil dieses Berufes mit in seine Phantasien auf.

Hei, was ein Traum, eines Tages ein schmales Suhrkamp-Bändchen mit dem eigenen Namen drauf in den Händen zu halten. Oder, genauso gut, fast noch besser ein dtv-Büchlein, das Cover (damals sagte man noch Umschlag) von Celestino Piatti gestaltet; Autorenname, Titel, Untertitel auf dem Deckblatt in Kleinbuchstaben und rechtsbündig ausgerichtet.

Korffs einziges Problem in jenen Jahren war lediglich dies, daß er nichts hatte, worüber er hätte schreiben können. Die Welt, in der er selber lebte, die er also gut kannte und hätte beschreiben können, erschien ihm ungemein öde und langweilig. In dieser Welt passierte nichts, bzw. das, was darin vorfiel, schien ihm in keiner Weise berichtenswert.

Geschichten, wirkliche und echte Geschichten passieren in der argentinischen Pampa oder in den Häuserschluchten von New York, im Rom der Cäsaren oder im Paris des Werweißwievielten Louis'. Korffs geographische und historische Kenntnisse waren zwar schon in diesen jungen Jahren beachtlich, dennoch nicht ausreichend, um einigermaßen glaubwürdig so interessante und jedermann bekannte Schauplätze skizzieren zu können; von plausiblen Handlungen, die darin passieren können, gar nicht erst zu reden.

Korffs Romane wanderten deshalb schon nach wenigen Seiten, oft schon nach einigen Absätzen, als Fragmente in die Schublade.

Kurzfristig verfiel Korff auf den Trichter, sich einfach eine Vergangenheit zu erfinden, die Geschichte also nicht im realen Mittelalter spielen zu lassen, sondern in einem erfundenen Land, in einer erfundenen, mittelalterartigen Zeit. Irgendwie aber ist nie was draus geworden, wahrscheinlich weil er dachte, so was würde kein Mensch je lesen wollen. Wenn er damals hartnäckiger an dieser Idee gebastelt hätte, hätte Korff in jungen Jahren schon den Fantasy-Roman erfunden."

Ach, wer so schreiben kann, der findet in jungen Jahren schon einen Verleger, der darf in reiferen Jahren am Literaturnobelpreis wenigstens riechen.

Bei mir jedenfalls ist nichts draus geworden, mir ist nix eingefallen. Ich hätte Architekt werden sollen, jeder Arschitekt freut sich einen Arch ab, wenn ihm nix einfällt.

Ich geh jetzt weinen.

Das Orakel von Selfie

 

Grönländer


8.9.25

Ei in Aspik

Am Samstag, beim Einkaufen in der "Norma" hatte ich eine Begegnung der Dritten Art. "Ei in Aspik auf Fleischsalat" wurde mir dort im Regal angeboten. Das ist so schlecht nicht, sagte ich mir (höhere Ansprüche an die Qualität meiner Ernährung stelle ich selten) und griff zu. Als ich die Plastikschale vor mir im Einkaufswagen liegen sah, kam ich in's Grübeln.

Diese Vorspeise kannte ich bislang seit meiner Kindheit unter dem Namen "Russische Eier" (damals noch mit einem Priserl Kaviar obenauf, aber lassen wir das). Der Grund für die Umbenennung war mir schnell klar: Seit dem Überfall Rußlands auf die Ukraine gilt das Wort "Rußland" und all seine Ableitungen hierzulande als Bähwort. Du kannst es natürlich weiter verwenden, aber nur zur Beschimpfung, köstliche Speisen kannst du allerdings niemandem mehr unter dem Namen "Russische Eier" andrehen.

Schlagartig war ich 30 Jahre jünger. In den neunziger Jahren tobte der Jugoslawienkrieg und der Serbe als solcher war mit einem Male ein Synonym für das Böse an sich. Noch kurz zuvor hatten ca. 85 % der Deutschen und Österreicher nicht mal gewußt, was ein Serbe ist, für sie waren Kroaten, Slowenen oder Bosniaken einfach Jugoslawen oder präziser gesagt "Tschuschn". Dann plötzlich galt das Wort "Serbien" und all seine Ableitungen hierzulande als Bähwort und eines Tages gab es im "Aldi" von Regenstauf die allseits sehr beliebte "Serbische Bohnensuppe" nicht mehr um kurz darauf als "Pikante Bohnensuppe nach Balkan-Art " wieder aufzutauchen.

Muß ich noch das britische Königshaus Windsor erwähnen, das sich erst seit 1917 - mitten im Ersten Weltkrieg - so nennt. "Königin Viktorias Tod im Jahr 1901 beendete die seit 1714 währende Herrschaft des Hauses Hannover in Großbritannien. Mit ihrem Sohn, König Eduard VII., bestieg den Thron erstmals ein Angehöriger des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha. Eduard setzte die Stammlinie seines Vaters, Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, fort, der 1840 Königin Victoria geehelicht hatte." (Wikipedia)

13.7.25

Das Messerstechen als Schöne Kunst betrachtet - alle gelöschten Kommentare aus "Fisch und Fleisch"

 Matt Elger 

Matt Elger

vor 2 Tagen
vor 2 Tagen

Du linkes Gehopse: Schaue Dir einmal ein Video von der Realität an. Vor allem 9:30 min. "Wenn ich als Türke auch wählen dürfte, ich würde auch die AfD wählen. Warum? Was macht die CDU denn für uns, was hat die SPD für uns gemacht?"

https://www.youtube.com/watch?v=FKJJWf5m-G8

Ich würde mich liebend gern mit Dir treffen. Da kannst Du mir Deine Ansichten einmal erläutern.

antworten melden löschen

thomas schweighäuser (ex Gotha)
vor 2 Tagen

"Ich würde mich liebend gern mit Dir treffen. Da kannst Du mir Deine Ansichten einmal erläutern." Der Sinn eines Forums ist eben, dass man sich nicht persönlich treffen muss, da man seine Ansichten schriftlich erläutert. Wer trotzdem auf einer persönlichen Begegnung besteht, ist entweder nicht in der Lage zu lesen oder droht mit Gewalt. Im Fall "Matt Elger" könnten auch beide Gründe vorliegen.

antworten melden löschen

berridraun
vor 2 Tagen
vor 2 Tagen

@thomas schweighäuser (ex Gotha) - Versteh auch nicht, warum sich dieser seit Jahren verbal gewalttätige Oberproll ständig mit irgendwelchen Leuten von f+f treffen will. Was soll das bringen? Wiegen seine "Argumente" womöglich mehr, wenn man seine dämliche Fresse auch noch sehen muss?

Reicht es nicht, wenn man seine Ansichten hier erläutert?

Ballaballa der Freak.

antworten melden löschen

thomas schweighäuser (ex Gotha)
vor 2 Tagen
vor 2 Tagen

@Matt Elger Wer hier immer wieder auffällig geworden ist durch wüste Beschimpfungen ("Linkes Dreckvieh, in Deinem Gehirn ist nur Scheiße. (...) Du bist ein geistiger Tiefflieger. (...) Was nervst Du mich, Dreckvieh? (...) Völliger Irrläufer. (...) Du bist völlig verblödet." ) und Bedrohungen ("Wenn jemand Dich holt, klatsche ich Beifall. Nenne Deinen Namen, linkes Schwein." ) sollte nicht von "Unterstellungen" reden. Ertappte Schurken lügen oft am dreistesten.

antworten melden löschen

thomas schweighäuser (ex Gotha)
vor 2 Tagen

@Matt Elger "Und erspare uns hier den großen Max, den mit Deinem Unsinn raushängen lässt." Wie wäre es mit einem Deutschkurs? Aber immer wieder interessant, was solchen Menschen, die von "uns" reden, während es schon eine Unverschämtheit ist, wenn sie "ich" sagen (Adorno - schon mal gehört?), so durch die Rübe rauscht: das Einknicken der CDU-ler vor dem schmuddeligen Reichelt, der katholische Klerikalfaschisten und andere Rechtsradikale gegen eine fähige Juristin mobilisierte einerseits, Pauperismusporn mit antiziganistischer Tendenz andererseits. Aber in dem Kopf passt halt wenig zusammen.

antworten melden löschen

Cero
vor 2 Tagen

@Matt Elger Es waren radikale Richterinnen aus dem zutiefst menschenverachtenden Linkssumpf, die von Merz quasi abgenickt wurden, im Moment trauen sie sich aber noch nicht über einen gewissen Punkt des Brutalolinksfaschismus hinaus. Wie bei Coronaimpfpflicht oder beim AfD-Verbot. Aber beim nächsten Anlauf irgendwo anders wirds klappen. Wenn nur ein paar ältere CDULer durch junge Apparatschicks ersetzt wurden oder sich andere Parteien sich einen strategischen Vorteil aus der Wahl oder einer Wahlrechtdsänderung erhoffen. Aber die Wähler dieses völlig enthemmten Versagers Merz sitzen unbedarft zuhause und glotzen Tour de France, als ob nix wäre.

antworten melden löschen

Matt Elger
vor 2 Tagen

@Cero

Die beiden Richterinnen werden sicher nach den Sommerferien wieder thematisiert. Die Union hat sich heute noch durch die Hintertür gerettet. Die CDU Spitzen und die großen Medien haben sich betreffend der Ablehnung von Frauke Borsius-Gersdorf völlig verschätzt.

Also sind sie wieder gestrandet. Diese Aushöhlung des Verfassungsgerichts wird bei der Union und der SPD hängen bleiben. https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/wird-brosius-gersdorf-doch-noch-verfassungsrichterin-die-ist-verbrannt-sagt-ein-cdu-abgeordneter/ar-AA1IqZ1y?ocid=BingNewsSerp

F. Merz ist angeschlagen, die SPD auch mit ihren inzwischen 13%. Die haben nun einige Monate Zeit ihre Wunden zu lecken.

antworten melden löschen

Cero
vor 2 Tagen

@Matt Elger Die Medien haben sich bezüglich der Damen nicht verschätzt, die haben vorsätzlich, zum Wohle des höheren Zieles, so getan, als ob es über die problematische Menschensicht dieser Damen nichts besonderes zu berichten gäbe. Verschätzt hat sich wohl Merz, der einige (betreute) Freigeister bei der CDU übersehen hat. Ist ja auch wie die Nadel im Heuhaufen....

antworten melden löschen

Matt Elger
vor 2 Tagen

@thomas schweighäuser (ex Gotha)

Hallo Thommy.

Nur einmal zur Erinnerung: Linke Politik vertrat einmal die Linie etwas für die Arbeitnehmer zu tun.

Was ist davon geblieben? Ihr sozialistische Ideologen, ihr tragt nur Eure Phrasen vor Euch her. Soziales tut ihr nicht. Das Gegenteil tut ihr. Ihr nehmt die hiesigen Bürger aus, so weit es geht. Und verteilt das Geld um Euch dafür zu loben. Dabei habt ihr nie etwas geschaffen. Das ganze Leben nur linken Stuss erzählt, wie Du.

antworten melden löschen

Theodor Rieh
Tippe @ für Erwähnungen, # für Hashtags.
  • 👍
  • 🤗
  • 😉
  • 😂
  • 🙁
  • 😀
  • 😋
  • 😗
  • 😎
  • ❤️
  • 🤮
  • 😡
Theodor Rieh
Tippe @ für Erwähnungen, # für Hashtags.
  • 👍
  • 🤗
  • 😉
  • 😂
  • 🙁
  • 😀
  • 😋
  • 😗
  • 😎
  • ❤️
  • 🤮
  • 😡

10.7.25

Das Messerstechen als Schöne Kunst betrachtet

Die Amerikanerin Lauren Angela (das sind nur die beiden Vornamen) stammt aus Florida, die Mutter ist kubanischer Abstammung. Sie lebt seit über 20 Jahren im Ausland, erst dann Deutschland, dann Malaysia und jetzt wieder Deutschland. Sie hat auf YouTube einen Channel, in welchem sie aus ihrem Leben erzählt, vor allem geht sie auf die Unterschiede zwischen amerikanischer und deutscher Lebensart ein.

In diesem Video erzählt sie, sie habe seit früher Kindheit die Angewohnheit, auf ihrem Teller alles, was geschnitten werden muß zu schneiden. Dann lege sie das Messer weg und esse nur noch mit der Gabel.

Als ich noch der Waldbauernbub war hab ich das mit Messer und Gabel genauso gemacht: Erst alles schneiden, dann Messer weg und nur noch die Gabel benutzt. Meine Mutter meinte erstaunt "Du ißt ja wie ein Amerikaner". Etliche Jahre später habe ich gelesen, daß diese merkwürdige Verhaltensweise noch aus der Pionierzeit - Wilder Westen, eh schon wissen - stammt. Man hat das Essen mundgerecht geschnitten und dann mit nur einer Hand gegessen, damit man die andere Hand immer an der Waffe haben konnte.

An ganz, ganz alten Wirtshaustischen in Bayern findet man an der Unterseite der Tischplatte viele kleine, längliche Löcher. Wenn sich ein Mann - Frauen gab es damals in Wirtshäusern nur in Form der Bedienung - an den Tisch zum Saufen setzte hat er das Messer aus der Lederhose gezogen und von unten in die Tischplatte gerammt. So hatte er bei einer entstehenden Rauferei seine Waffe stets bei der Hand. Das Erstechen bei einer Rauferei ist früher erstaunlich milde bestraft worden, es sind sogar Freisprüche dokumentiert.

22.5.25

Muttertag

Am Donnerstag den 29. Mai 2025 ist Christae Himmelfahrt, also Muttertag. Horden entmenschter Weiber werden an diesem - wie noch an jedem - Muttertage singend, grölend, schbeibend und natürlich sturzbesoffen durch unsere Städte, Dörfer und Wälder ziehen.

Frauen sind so was von ordinär und peinlich, das glaubst du nicht.

12.5.25

Balamal da Bapst

Kein Schwanz und desgleichen keine Vulva kennt heutigentags noch den Schriftsteller, Spieleerfinder und Spielekritiker [1] Eugen Oker, der 1919 in Schwandorf in der Oberpfalz geboren wurde. Um ehrlich zu sein, viel weiß ich von Oker nicht, genau genommen kenne ich nur ein Gedicht von ihm und auch das habe ich bereits wieder weitgehend vergessen. In den unendlichen Weiten des Universums habe ich es auch nicht gefunden, Google ist ein Versager.

Wie auch immer: In dem Gedicht geht es um die Lebensalter des Menschen.  Wenn der Mensch noch ein Menschlein ist, sind fast alle anderen Menschen um das Wurm herum älter als das Kind. In der Pubertät sind die Kinder jünger als der Pubiertierende und irgendwann ist der Polizist, der dich in den Alkoholtester blasen läßt jünger als du. Geraume Zeit später stellst du fest, daß die Bundeskanzlerin jünger ist als du.

Das Gedicht endet mit den Worten "Aba woat, Biaschei, balamal da Bapst jinger is wia du...[2]".

Und genau das ist mir dieser Tage geschehen.



[1]   Ich glaube, diesen Beruf hat er erfunden.

[2]   "Aber warte, Bürscherl, wenn dereinst der Papst jünger ist als du..."

Die schöngeflötete Reichskristallnacht

Seit den achtziger Jahren erscheint vielen wohlmeinenden Menschen in Deutschland der Begriff " Reichskristallnacht " als bedenklic...