Montag, 23. August 2021

Über Abkürzungen und über's Schreiben

Früher, es ist lange her, las ich was von CR7.

CR - das könnte Cristiano Ronaldo bedeuten (obwohl, es im Fußball Ronaldos und Ronaldinhos zum Schweinefüttern gibt, fast mehr noch als Müllers), was aber bedeutet in diesem Zusammenhang die 7? Ich hab's mir schon mehrfach erklären lassen, hab es aber sofort wieder vergessen, weil es mir so was von wurscht war und ist.

Die Abkürzung CR7 - dies immerhin - regte mich zu einer etwas grundsätzlicheren Anmerkung über das Schreiben an sich und über Abkürzungen vor allem an. Die Lage spitzte sich zu, als ich in einem Text im Internet von der "Frau BK" las.

Du glaubst es nicht, du magst es nicht glauben, was ich rumgerätselt habe, wer diese "Frau BK" eigentlich sein könnte, von der die Rede war. Dann kam ich nochmal, eher zufällig, auf die Seite, grübelte wieder ein wenig und plötzlich fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: BK heißt "Bundeskanzlerin".

Diese eine Frage ist beantwortet und sofort stellt sich die nächste: Wieso schreibt die nicht "Bundeskanzlerin" hin, wenn sie Bundeskanzlerin meint, wieso schreibt sie stattdessen BK? Ein schlauer Mensch wird antworten, das mache sie der Bequemlichkeit halber, "BK" sei nun mal deutlich kürzer und also leichter zu schreiben als "Bundeskanzlerin". Schon, entgegne ich, aber das Hinschreiben kryptischer Abkürzungen schiebt den Schwarzen Peter dem Leser zu. Ich mein, ÖVP oder DGB kannst du als bekannt voraussetzen, aber was ist ein GRÖLF? Und diese Abkürzungen nehmen - grade im Internet - überhand. Dabei ist  dem Menschen noch niemals zuvor das Schreiben, technisch gesehen, so leicht gemacht worden wie heute mit dem Computer.

Früher hieß "Schreiben" noch, daß Mönche in entlegenen ([1]) Klöstern den Gänsekiel in eine Art Tinte tauchten und ganz, gaaanz sorgfältig Buchstabe für Buchstabe auf Pergament, also die Bauchhaut junger Schafe malten. Das Schreiben war zeitaufwendig wie Sau, das Pergament schweins... äh, schafsteuer. Ich habe jedes Verständnis der Welt dafür, daß die weiland Mönche Abkürzungen verwendeten, um kostbare Arbeitszeit und vielleicht noch kostbareren Platz zu sparen. Früher, also ganz früher, zu Zeiten der Scriptoriumsmönche, hat man Abkürzungen, wenn man sie denn  verwendet hatte, sorgfältig eingeführt. In einer theologischen Abhandlung etwa hat der gelehrte ([2]) Mönch beim erstmaligen Auftauchen der Abkürzung AGNAA mitgeteilt, es stehe AGNAA für "Ach, Gottchen, nein aber auch".

Wir aber, wir Schoßkinder des Glücks (Gustav Gans), leben in den Zeiten des Computers, das Schreiben (und Korrigieren) des Geschriebenen ist heute so einfach und preisgünstig wie noch nie zuvor in der Geschichte. Platz ist auf der Festplatte oder auf dem Server nahezu unbegrenzt vorhanden. Die weiland Mönche im scriptorium hätten geweint vor Glück, wenn sie einen Laptop mit Internet-Anschluß gehabt hätten.

Ich aber, Leute, habe nicht nur einen Computer (jeder Depp hat heute einen Computer), sondern auch ein abartig geiles Programm. Mit PhraseExpress kannst du Kürzel für lästig zu schreibende Ausdrücke (km/h), Wörter (Alkohol) oder auch gaaanz lange Texte definieren und das Programm schreibt dann den richtigen Text hin, und zwar in jeder beliebigen Anwendung. Ich schreibe "voa" und es erscheint "vor allem", "gw" und es erscheint "gewesen". Das Programm ist für Privatanwender kostenlos, du darfst halt bloß keine typisch geschäftlichen Begriffe abkürzen wie Umsatzsteuer, Rechnung etc. Und nach einiger Zeit des Gebrauchs erscheinen immer mal wieder Einblendungen, die nachfragen, ob du nicht doch die Vollversion erwerben willst. Kostet 30 EUR in der einfachen Version (mehr Features braucht man als Privatanwender eh nicht).

Die einzige Mühe ist das erstmalige Erstellen der Abkürzungen. Hier mußt du vor allem darauf achten, daß die Kürzel erstens mnemotechnisch einfach, also leicht zu merken sind (wie eben "voa" für "vor allem") und daß es die Kürzel nicht auch noch als richtige Wörter gibt.



[1]   Damals war jeder Platz auf Gottes Erde entlegen, denn es war stets ein Riesenaufwand, von jedem anderen Platz aus dorthin zu kommen.

[2]   "Gelehrt", das ist vielleicht der Schlüssel zum Verständnis. Früher hat man nur solche Leute an die Schreibfeder und das Pergament gelassen, die ein Mindestmaß an Bildung nachweisen konnten (und sich überdies das Ficken weitgehend verkniffen hatten). Ohne Latein, dafür mit Homo-Ehe o. dergl. etwa ging da gar nichts, einer ohne Latein wurde zum Arbeiten auf's Feld geschickt. Heutzutage dagegen darf jeder Anti-Alphabetiker, der von sich auch nur behauptet, er habe einen E-Mail-Freund in Lateinamerika, im Internet publizieren.

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