Freitag, 5. Oktober 2012

Raucherbereich

Auf Bahnhöfen ist seit etlichen Jahren das Rauchen verboten, wobei es wurscht ist, ob es sich um überdachte Bahnsteige, wie in München oder Freiluftplattformen wie in Osterhofen handelt. Dafür mag es Gründe geben, die ich hier nicht diskutieren will, sondern einfach als leidlich vernünftig annehme.
Auf größeren Bahnhöfen hat man auf jedem Bahnsteig einen Raucherbereich eingerichtet, wie hier am Hauptbahnhof München. Das ist doch immerhin eine freundliche Geste. Denkt man. Dann aber sehe man sich diesen Raucherbereich mal etwas genauer an.
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7d/M%C3%BCnchen_Hauptbahnhof_Raucherbereich_Gleis_12-13.jpg

Ein von vier siffgelben Linien eingegrenztes Areal, wenig mal sehr wenig Meter, dazu ein Aschenkübel. Punkt. Aus.
Kein Bankerl bietet sich dem müden Raucher an, auf ihm Platz zu nehmen und zu entspannen. Man beachte die Raucherin auf dem Bild, die sich verkrümmt hinkauert, wenigstens einen Hauch von Komfort aus einer absolut tristen Wirklichkeit sich abzupressen. Es gibt keine Möglichkeit, den Kaffee, den man während des Rauchens zu sich nehmen will [1], abzustellen, während man beide Hände braucht, sich die Zigarette anzuzünden. Nein, der Rand des Aschenkübels ist dazu nicht geeignet. Entworfen von tückischen Designerhirnen neigt er sich leicht nach innen, ein dort abgestellter Kaffeebecher würde, mählich erst, dann rasch beschleunigt, in das Loch rutschen, das bestimmt ist, die abgerauchte Fluppe aufzunehmen.
Als Raucher fühlst du dich in diesem Raucherbereich, der doch eigentlich dir gewidmet ist, wie ein Ausgestoßener, so klein und gedemütigt, wie du dich einst fühlen wirst, wenn dir materielle Not den Gang zum Sozialamt aufzwingt.
Der Coffee to go trainiert dich für die Schnabeltasse im Altersheim, der Raucherbereich bereitet dich auf das absolute soziale Nichts vor.

"Ich bin ein Raucher. Hat nicht ein Raucher Augen? Hat nicht ein Raucher Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer als ein Nichtraucher? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir's euch auch darin gleich tun."[2]

Fürchtet unsere Rache!



[1]   Rauchen ohne Kaffee ist möglich, Kaffee ohne Zigarette dagegen ist ein Form äußerster Barbarei.
[2]   Ich bedanke mich beim Kollegen W. Shakespeare für die freundliche Überlassung des Text­auszuges aus seinem Stück "O'Tello - Der Kettenraucher von Dublin"

Kommentare:

  1. Den Krieg hamm wir Raucher verloren. Da beißt sich nix. Bist' ja eh schon froh, wenn die eigenen Kinder erst gar nicht damit anfangen.

    Aber ab und zu eine Erwähnung der Verdienste von Rauchern um solide Staatsfinanzen und um den Bestand von Sozialkassen wär schon angebracht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @hardob
      "Den Krieg hamm wir Raucher verloren. Da beißt sich nix."

      Ich will den Krieg ja gar nicht gewinnen, ich will bloß im Kriegsgefangenenlager einigermaßen human behandelt werden.

      "Aber ab und zu eine Erwähnung der Verdienste von Rauchern um solide Staatsfinanzen und um den Bestand von Sozialkassen wär schon angebracht."

      Von der Tabaksteuer geht, wenn ich recht informiert bin, ein bestimmter Betrag zur Terrorbekämpfung ab. Ohne uns Raucher wären wir doch schon längst ein islamischer Gottesstaat.

      Ciao
      Wolfram

      Löschen
  2. Meinst, ein islamischer Gottesstaat wär anders als der, den wir haben? Sowie die Türken seimals vor Wien das Kaffeehaus mitgebracht haben, könnten die Niederbayern den islamischen Gottesstaat um die niederbayerische Wirtshauskultur (mit Raucherzimmern!) bereichern, bzw. diese wieder herstellen.

    Einen schönen Gruß
    hd.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @hardob
      "Meinst, ein islamischer Gottesstaat wär anders als der, den wir haben? Sowie die Türken seimals vor Wien das Kaffeehaus mitgebracht haben, könnten die Niederbayern den islamischen Gottesstaat um die niederbayerische Wirtshauskultur (mit Raucherzimmern!) bereichern, bzw. diese wieder herstellen."

      Trotz Raucherzimmer (Shisha statt Shigarette) wär eine niederbayerische Wirtshauskultur ohne Bier und Schweinsbraten halt doch nicht mehr ganz so bereichernd.

      Ciao
      Wolfram

      Löschen
    2. Meinst, die wären so streng? Ich kenn nicht weit von hier, einen türkischen Club, in dem rauchen sie von PallMall bis Rothhändle, was das Zeug und der Markt hergibt und Bier trinkens auch. Schweinsbraten essens nicht. Der Club hat, glaub ich, gar keine Küche. Aber uns Ungläubigen werden's schon den Schweinsbraten eh erlauben, die Buchreligionenakzeptierer. Also ich wär, gerieten wir unter islamische Herrschaft, bezüglich der niederbayerischen Wirtshauskultur nicht ganz so pessimistisch.
      Gruß, hd.

      Löschen