Sonntag, 19. August 2012

Oma oder Opa?

Wäre ich ein Philosoph, also einer mit Diplom, ein Diplom-Philosoph mit Philosophen-Diplom, und wäre ich Teil des Lehrkörpers einer Universität, dann würde ich in diesem Wintersemester zusammen mit einem Kollegen von der Juristischen Fakultät ein Hauptseminar anbieten mit dem Thema: "Oma oder Opa?"
Lachts nur, ihr Ignoranten, die ihr glaubts, das sei doch - hihihi! - kein Thema für eine wissenschaftliche Veranstaltung. Ich aber sage euch, das ist eine hochkomplexe Frage, die uns mitten hineinführt in die aporischen Abgründe des Denkens und Definierens.
Die Frage aber lautet so:
Was wäre die Folge wenn ich mich jetzt, da ich in einem Alter stehe, in dem ich zwar Kinder noch zeugen könnte, aber nicht mehr will, zur Frau umoperieren lassen würde (1)? Wie stünde ich dann zu den von meinen Söhnen noch zu produzierenden Enkeln? Wäre ich dann der Opa oder die Oma meiner Enkel? Läßt sich diese Frage überhaupt beantworten oder löst sich in dem Moment, da alle Philosophen der Erde diese Frage auch nur stellen, die Welt in ein rosa Logik-Wölkchen auf? Müssen wir dem Schicksal nicht dankbar dafür sein, daß ich kein an einer Universität lehrender Diplom-Philosoph mit Philosophen-Diplom bin?
Andererseits:
Ohne Philosophie wäre die Welt doch stinklangweilig, nur der übliche Mord und Totschlag, ob nun mit dem Gewehr begangen oder mit der Dividenden-Maximierung.


[1] Motto: Eh scho wurscht.

Kommentare:

  1. Die Realität ist schneller als du denken kannst:

    ..."Für Frau und Kinder war die Verwandlung des Vaters und Ehemanns in "Ruth" nicht leicht zu akzeptieren" (Nach 42 Jahren die Scheidung)
    ..."Graue Locken, Lippenstift, weiße Bluse. Auf den ersten Blick erscheint Ruth Rose wie eine ganz normale, alte Dame. Doch der Eindruck trügt: Ruth ist 1,83 Meter groß, hat breite Schultern und eine dunkle Stimme. Die Rentnerin hieß bis vor drei Jahren noch James und war früher Offizier der Royal Air Force. Ruth war ihr ganzes Leben - zumindest biologisch - ein Mann. Mit 78 Jahren will die Transsexuelle nun eine Geschlechtsumwandlung - sie wäre wohl der älteste Mensch, der sich dieser Prozedur unterzieht"...

    http://nachrichten.t-online.de/78-jaehrige-steht-vor-geschlechtsumwandlung/id_56344062/index

    LG
    TL

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  2. Der Haken ist das du nach dem Enkel fragst. Das macht es nämlich ganz einfach:
    Wie der Enkel halt gerade meint!
    Weil beim Enkel ist es egal ob Oma oder Opa, der darf sich auch mal vertun, sach ich mal so als Oma's Lieblingsenkel;)

    Bei den Kindern ist es aber was anderes, da hätte wohl Oma/Opa (Muttern/Vaddern)das sagen.
    greetz from the pit -abghoul

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  3. "Wie der Enkel halt gerade meint!"

    Ja, ja, die Frage aber war, wie mich der die Welt deutende Philosoph einstuft.

    Ciao
    Wolfram

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  4. ok ok, das war vereinfacht,geb ich zu.
    Also die fettgedruckte Frage:
    "Wäre ich dann der Opa oder die Oma meiner Enkel?"
    Lässt aber vieles offen, die Wahrnehmung der Enkel ist ja subjektiv und nicht direkt kontrollierbar.
    -Wenn der Enkel dich für Opa hält, aber aus Höflichkeit mit "Oma" anredet, ist das Problem ja nicht gelöst sondern nur umgangen.
    Andererseits deutest du ja vorher an das ebendiese Enkel noch nicht geboren sind als die Geschlechtsumwandlung stattfand.
    Daher wird ein solcher die Oma nur als Oma kennenlernen und dieses Problem nicht haben.
    Bei der Oma, die ja schon überzeugte Transsexuelle ist, wird es einen solchen Konflikt auch nicht geben.
    Die Eltern und die restliche Gesellschaft sind aber ein anderes Thema und die Haltung der Justiz dazu erst recht.
    Descartes-Meditationen zur Metaphysik fallen mir da als Inspirationsquelle ein.
    Weil dies "Wäre" nach einer Seins-Definition ruft.
    Vielleicht einfach kein rein philosophisches sondern eher ein metaphysisches Thema und das sagt dann schon vorraus wie dich ob dieses Themas der "der die Welt deutende Philosoph einstuft" = gerade wie ihm der Sinn dazu steht da "Sein" und "Wahrnehmung" immer noch nicht in Gold gegossen sind.
    greetz from the pit -abghoul

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  5. ok WH,
    Du wolltest ja noch mal was ordentliches hier:
    Syllogistisch betrachtet sacht' Aristoteles
    Jedes S ist P: a =Oma
    oder
    Irgendein S ist P: i =Opa
    wobei Barbara sacht':
    1. Alle Opis sind sterblich.
    2. Alle Omis sind Menschen
    Konklusion: Alle Opis und Omis, obwohl
    tranzsexuell, sind sterblich.
    Enkel ist's auch egal, müssen Blumen kaufen...
    Moderne (s)(d)eduktion halt...

    Sokrates sacht' zu seinen Enkeln:
    "Gebt mir noch einen Schoppen" (Maieutik)...

    Sophisten würden gegen Geld sagen:
    Ich verkauf dir noch deine Oma,
    obwohl's dein Opa war...

    Platon sächen tut:
    "Ich glaub du bist ein Huhn",
    obwohl es sonnegemeinst der Opa / Oma war...

    Ibn Ruschd sacht ganz logisch:
    "Wir sind alle Opis und Omis"...

    Zeitsprung:
    Kant logickelt:
    "Ich kann Opi und Omi nicht fassen"...

    Friedrich Nietzsche:
    Opis und Omis sind
    "werthvoll, schreckenvoll und lustvoll",
    na, da ist für Enkel kein Platz...

    Adorno:
    Ich liebe meine Enkel (Mimesis)...

    Habermas:
    "Enkel sind lecker"...

    Sloterdijk:
    "Die Revolution der gebenden Omi",
    wir sind im Vererbungsstadium...

    P.S.
    Stark verkürzter Beitrag

    LG
    TL

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    1. "Stark verkürzter Beitrag"

      Sehr stark verkürzt.

      Ciao
      Wolfram

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