Donnerstag, 19. März 2020

Der Zirkelschluß am Beispiel des Machthungers

In kulturkritischen Abhandlungen wird gerne das zum Selbstzweck gewordene Streben mancher Menschen nach Macht beklagt. Man schreibt ehrgeizigen, nach Macht strebenden Menschen einen ausgeprägten Machthunger zu. Er strebt nach Macht, weil er machthungrig ist. Es ist offenkundig, daß diese Erklärung nichts erklärt. Es ist so, wie es ist, weil es halt so ist.
Manche sagen statt Machthunger auch Machttrieb, und driften damit völlig in den Unfug ab. Ein Trieb nämlich ist in jedem Menschen vorhanden, er ist ein sehr elementarer Impuls, der mit enormer Kraft danach drängt, befriedigt zu werden. Wird der Nahrungstrieb nicht befriedigt, stirbt der Mensch, wird der Sexualtrieb nicht befriedigt, so handelt sich der tatsächlich (nicht nur vorgeblich) dauerhaft abstinente Mensch ernsthafte psychische Deformationen ein.
Der sogenannte Machttrieb dagegen wäre per definitionem - also unvermeidlicherweise - ein Trieb, der bei einigen Menschen nur deshalb befriedigt werden kann, weil ihn sehr, sehr viele andere nicht befriedigen können. Ein Trieb, den die meisten davon befallenen Individuen nicht befriedigen können, hätte sich bald aus der Evolution gemendelt.


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