Montag, 26. August 2019

Von der Barmherzigkeit der Hl. Inquisition

Ich bin ein Großer Atheist vor dem HErrn und GOtt hat mich auserwählt, seinem Gläubigen Volk die Heilige Schrift auszulegen, auf daß es verstünde und noch gläubiger würde. In gleicher Weise hat GOtt mich auch zu einem berufsmäßigen Menschenversteher gemacht.
Kein Mensch - desgleichen auch kein Regenwurm - tut irgend etwas einfach so. Wenn Friedrich dem Uwe ein Messer in den Laib rammt und dazu "Gott ist brot!" ruft, wird man Herrn Nietzsche, vielleicht, wahrscheinlich in das Irrenhaus einliefern, denn er hat eine Tat ohne Motiv begangen. Tut einer etwas, das uns gemeinhin bizarr und absolut unverständlich erscheint, neigen wir dazu, ihn als "verrückt" zu bezeichnen. Der Begriff "verrückt" aber, dies habt zur Mahnung, erklärt nichts, überhaupt nichts. Es ist völlig verrückt, das Wort verrückt zu verwenden.
Wüßten wir nämlich, daß Gott dem Friedrich im Traum erschienen ist und ihm befohlen hat, diesen Laib Brot zu durchbohren, dann hätte sein Tun plötzlich Sinn und Motiv bekommen.

Um konkreter zu werden: Jedes Mal, wenn ich das Wort "Hexenwahn" höre, kranzelt es mir die Zehennägel auf, denn sehet, das Wort bedeutet nichts. Das Foltern und anschließende Verbrennen von der Zauberei/Hexerei verdächtigen Personen ist ein barmherziges und menschenfreundliches Werk. [1]
Versetzen wir uns übungshalber in das Gehirn eines Inquisitors der Heiligen Inquisition. Nehmen wir ihn als tiefgläubigen Menschen an, als einen, der existentiell an die Lehren seiner Kirche glaubt. Wenn mein Glauben auf dem Wort Gottes beruht, welches er in Heiligen Schriften niedergelegt hat, dann bin ich an dieses geoffenbarte Wort Gottes gebunden. Ich kann mit Gott nicht um Kompromisse schachern. Wenn ich an Gottes Wort in Bibel oder Koran glaube, dann ist dieses Wort für mich verbindlich, für alle Zeiten. Das in Bibel oder Koran geoffenbarte Wort Gottes ist das Fundament meines Glaubens. Wenn ich, von dieser Überlegung ausgehend, stringent weiterdenke, dann komme ich zu äußerst unerfreulichen Resultaten, das zwar, ich lande bei einer starren, selbstgerechten und sehr brutalen Religion, aber so ist das nun mal.
Wo waren wir? Wir waren beim Glauben: Diese Erde ist ein Jammertal, das Leben auf dieser Erde dient letzten Endes nur dazu, uns das Eintritts-Billet für den Himmel zu verdienen. Das eigentliche Leben beginnt im Jenseits und wer hier auf Erden gegen Gottes Gebote verstößt und nicht bereut, wird einst im Ewigen Feuer der Hölle landen, unendliche Qualen erdulden müssen.
Nun ist ein Ketzer vom rechten Glauben abgefallen, nun ist eine Hexe den Versuchungen Satans erlegen, nun ist ein Jude oder Moslem weit entfernt vom Rechten Glauben. Wenn ich nun im Sinne der heute so geschätzten Toleranz dies einfach hinnehme ohne wenigstens zu versuchen, Einfluß zu nehmen, dann versündige ich mich an der Ewigen Seligkeit dieses Ketzers, dieser Hexe, dieses Juden oder Moslems. Wenn ich tolerant bin, wenn ich die Dinge laufen lasse, wie sie laufen, lasse ich diese Menschen sehenden Auges in die Ewige Verdammnis laufen. Toleranz ist Sünde, eine Todsünde für jeden, der glaubt.
Ergreife ich dagegen jene, die vom Rechten Glauben abgefallen sind (beziehungsweise noch nie bei ihm waren) und bringe ich sie - notfalls auch mit sehr nachdrücklichen Methoden - dazu, von ihrem Irrtum abzulassen, zu beichten und zum Rechten Glauben zurückzufinden, so habe ich ein Werk äußerster Barmherzigkeit an ihnen getan. Einem ehemaligen Ketzer auf dem Scheiterhaufen die Beichte abzunehmen, ihm die Kommunion und Letzte Ölung zu spenden und ihn dann zu verbrennen, noch ehe er auch nur Gelegenheit hat, erneut zu sündigen - kann einer mildtätiger sein?
Das Handeln der Inquisition war in sich logisch und es widerspricht nicht den Lehren der existentiell ernstgenommen Religion der Katholischen Kirche.


[1]   Damit's ein für alle Mal gesagt ist: Die nachfolgenden Ausführungen sind weder satirisch noch sarkastisch, sondern vielmehr bitterernst gemeint.

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