Freitag, 15. März 2013

Schunkeln

Schunkeln, sagt man, sei eine ganz wahnsinnig typisch deutsche Art, den Oberkörper zu bewegen. Bis heute dachte ich, das sei eine zutreffende Aussage.
Seit heute weiß ich, daß einer wie Johanow Strausski auch Polen ganz automatisch zum Schunkeln bringt.

Du hörst Musik und kannst deinen Körper einfach nicht mehr stillhalten. Es geht nicht!
Leck mich am Arsch, das ist Musik! Nur das. Alles andere ist günstigstenfalls tönende Philosophie oder Mathematik. Popel es dir aus der Rektalfalte...

Die Musik vom Zigeuner stammt, fragt nicht nach Sitte, nicht nach Recht und Ma-hacht.

Ich liebe diese Flashmobs. Ein zufälliges Publikum, nicht im mindesten auf die Musik vorbereitet. Und dann knattert die Musik auf sie ein und sie können sich nicht wehren gegen ein paar Kochlöffel samt Kochgeschirr (es geht hier um etwas so Dramatisches wie die Wiedereröffnung einer Pizzeria).

Kokain ist ein müdes Kraut im Vergleich.

"Eine Geschichte ist dann zu Ende erzählt, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat." (Friedrich Dürrenmatt)
Joshua Bell, einer der großen zeitgenössischen Geiger, stellte sich eines Januarmorgens in den Eingangsbereich einer U-Bahnstation in Washington D. C. und fidelte dort einige Stücke von Bach. Einige (wenige) Leute blieben stehen und warfen Münzen in den Geigenkasten, eilten dann aber schnell weiter. Einige Kleinkinder waren fasziniert von der Musik, wurden aber von ihren Eltern - teils rüde - weggezerrt. Nach einer Dreiviertelstunde hatte ihn eine (eine einzige!) Frau als Joshua Bell erkannt und blieb stehen, bis das Stück zu Ende war.
Für einen Konzertabend mit Joshua Bell zahlst du ca. 100 Dollar für die Eintrittskarte.


Pardon, Dürrenmatt, aber so will ich nicht aufhören. Leipzig, Bach-Jubiläum, Scheißwetter, Nieselregen, fröstel. Und dann ein bisserl Bach, und die Köpfe kommen ins Wackeln, auf den Gesichtern geht die Sonne auf und der Oberkörper swingt vor sinnlichem Vergnügen.

Musik halt. Ach.

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