Sonntag, 1. März 2009

Rosinen im Kopf

Inzwischen habe ich sie auch schon wieder verschmissen, aber vor etlichen Jahren hatte ich mal eine - damals schon antiquarische - PC-Version des Duden-Lexikons "Redewendungen und sprichwörtliche Redens­arten" gekauft.

Dort bin ich auch auf den Eintrag über die "Rosinen im Kopf" gestoßen.

Rosine: große Rosinen im Kopf haben (ugs.): hochfliegende Pläne, Ideen haben: Sie hatte schon immer große Rosinen im Kopf. ... für ihn sei die Rekrutenzeit die sorgloseste Zeit gewesen, weil man noch keine Verantwortung hatte und noch große Rosinen im Kopf (Ott, Haie 310).

- Die heute gebräuchliche Wendung ist eine Abwandlung der älteren Wendung »große Rosinen im Sack haben«, die sich auf den Wohlstand des reichen Händlers bezog. Sie wurde übertragen auf das Streben nach diesem Wohlstand, auf große Pläne.

Diese Erklärung konnte (und kann) mich nicht recht überzeugen, sie will mir nicht plausibel erscheinen. "Rosinen im Kopf haben" (ich habe die Redensart übrigens bisher nur in der Variante ohne "groß" gehört) bezieht sich ja nicht nur - und nicht mal hauptsäch­lich - auf die Träume vom Großen Geld, vom Großen Reichtum. Es sind die großen (unrealistischen?) Träume von einer Filmkarriere, wissenschaftli­chem Ruhm, sportlichen Erfolgen und was der schönen Dinge mehr sind, die den Leuten im Kopf herumspuken. Diese Traumkarrieren bringen natürlich, wenn sie denn wahr werden, meistens auch finanziellen Segen mit sich. Der finanzielle Aspekt spielt jedoch in den "Rosinenträumen" der jungen Leute meist gerade keine Rolle. Da gibt's in den Familien doch immer die großen "Wovon-willst-du-dann-leben?"-Diskussionen mit dem Nachwuchs, wenn er mitteilt, er wolle Schriftsteller, Schauspieler oder Duden-Redakteur wer­den.

So gesehen macht die vom Duden (und nicht nur von ihm, ich habe ähnliche Erklärungen auch anderswo im Netz gefunden) behauptete Herkunft des Spruchs vom großen Sack des reichen Händlers keinen rechten Sinn.

Meine Erklärung, die ich allerdings nicht belegen kann, erscheint mir plausibler:

Ich glaube, der Spruch von den "Rosinen im Kopf" kommt aus dem französi­schen Sprachraum. Und ich glaube das deshalb, weil der Spruch auf franzö­sisch ein ganz wunderschönes und passendes Wortspiel ergibt; sehr viel passender, als die etwas gewaltsam zurechtgebogene Geschichte mit dem Sack des Kaufmanns. Der übertrieben optimistische junge Franzose hat raisins im Kopf und sollte doch - nach Überzeugung noch jeder Elterngene­ration - was im Kopf haben? Raison natürlich, Vernunft, Verstand.

Sehen sich die beiden Wörter schon geschrieben sehr ähnlich, so werden sie - ein bißchen schlampig ausgesprochen - sogar ganz leicht verwechsel­bar.

Und weil ich gerade dabei bin, füge ich noch eine Bemerkung zur etymologischen Ableitung von "Matsch" im Duden hinzu:

Matsch: Der seit dem 18. Jh. bezeugte Ausdruck für "weiche, breiige Masse; nasser Straßenschmutz" gehört zu dem Verb matschen ugs. für "mischen, durcheinandermengen, herumsudeln", das lautmalenden Ur­sprungs ist. Neben 'matschen' findet sich auch eine gleichbedeutende na­salierte Form manschen (17. Jh.), wie z.B. 'panschen' neben 'patschen'; beachte auch Mansch ugs. für "Schneewasser; schlechtes Wetter; Suppe; wässeriges Essen". Abl.: matschig ugs. für "breiig; klebrig, schmutzig; überreif" (um 1800).

Das mit der Lautmalerei der Worte "Matsch" und "matschen" leuchtet mir zwar ein... Aber es gibt im Italienischen das Verb macinare, kleinmahlen, der Caffé macinato ist das staubfein gemahlene Espressomehl, die macina ist der Mahlstein.

Könnte es nicht sein...?

Und noch ein Spruch, den ich bei der Recherche im Netz gefunden habe:

Lieber Rosinen im Kopf als Haare im Kuchen


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